Sorry, bin gerade nicht so ganz begeistert. Oder: Ich freue mich wie alle anderen über den 9. November 1989, über den Erfolg der Freiheit. Ich freue mich besonders über die mutigen Menschen, die dafür viele Jahre gekämpft haben, dies alles ohne Waffen. Ihnen gilt der Dank!
Aber ich kann mich gerade nicht über die Jubelfeiern, besonders die in Berlin, freuen. Das ist mir zu viel Jubel, das ist mir zu viel Show, zu viel Pathos, zu viel Rührseligkeit. Ich mag mich gern daran erinnern, auch wenn ich mich persönlich nicht daran erinnern kann, wo ich an diesem Tag war und was ich gefühlt habe, als die Mauer eingerissen wurde. Viel besser kann ich mich an 9/11 erinnern, aber das spielt jetzt gerade hier keine Rolle.
Deutschland und viele anderen Länder stecken gerade immer noch in einer ziemlich heftigen Wirtschaftskrise und also deshalb empfinde ich die Jubelfeiern mehr als eine "Streichelheinheit" für alle. Einheiten, die die guten Emotionen wecken sollen, um von den negativen Ereignissen abzulenken. Und die sind mehr als eindeutig.
Wir werden besonders in den nächsten Jahren harte Zeiten erleben. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird sich erheblich verschärfen. Die kosmetischen Reparaturen der staatlichen Organisationen wie etwa der Agentur für Arbeit werden daran wenig ändern.
Die deutsche Einheit hat das damals schon vorhandene finanzielle Desaster nicht verbessert, aber daran will ich nicht mäkeln. Vielmehr daran, dass heute niemand den Mumm hat, nunmehr eine andere Richtung einzuschlagen. Nämlich, jene, dass wir heute eine ganz andere Richtung einschlagen müssen, um diese Gesellschaft neu einzuordnen.
Und dann wird vielleicht der Aspekt des Arbeitens ein ganz anderer. Haben wir genug Arbeit für alle? Wohl kaum. Ok, ich verlaufe mich gerade.
Fakt ist: Gut, dass es nur noch ein Deutschland gibt. Gut, dass wir dass doch mittlerweile in den Köpfen haben. Die Feiern aber in diesem Ausmaß, dabei bleibe ich, sind überflüssig. Sie sind Beruhigungskosmetik für das Volk.
Wir müssten auch an diesen Tagen die wichtigen Änderungen für die Zukunft diskutieren. Und das müssen wir noch besser machen.
cdv!

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