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September 2007

30. September 07

Erfolg

Das mittelständische Bauunternehmen feiert das 75jährige Bestehen. Mit einer großartigen Feier, zu dem neben den Mitarbeitern und ihren Familien auch Geschäftspartner und Freunde eingeladen sind. Natürlich auch die örtliche Politik und einige Verbandsfunktionäre, die ordentlich Lob spendieren. Es gibt gutes Essen, gute Unterhaltung und gute Getränke. Ein besonderer Dank gilt den Mitarbeitern. Wirklich, eine prima Geburtstagsfeier.

Zwei Tage später lädt man das Publikum ein, die Mannschaft krempelt die Ärmel hoch, öffnet alle Türen zur Produktion der sogenannten Betonfertigteile, lädt erneut Partner zum Präsentieren ein. Die Kinder werden mit Riesenbergen Sand, ordentlichem Spielzeug und reichlich Bastelmaterial eingeladen. Die Erwachsenen dürfen gucken, gegen einen kleinen Obolus selber mauern, Bagger bewegen, den sonnigen Tag in geselliger Runde genießen. Tun sie auch.

Kurz notiert: Es waren etwa 3000 Gäste da.

cdv!

28. September 07

Greisenalter

Morgen werde ich wieder ein Jahr älter. Nach Jahresringen jedenfalls.
Sonst altere ich - wie jeder andere auch - täglich. Manchmal spüre ich das,
meist aber nicht.

Und wie ich schon an anderer Stelle schrieb, halte ich mich wie alle
in meinem Lebensalter für mindestens fünf Jahre jünger.
Nur mein Tankwart sieht das so nicht.
Oder ist da sonst noch jemand, der mir den Tag versauen will?

Sowohl Goethe als auch Immanuel Kant sollen schon bei Ihrem
50. Geburtstag als "ehrwürdiger Greis" angeredet worden sein.
So fühle ich mich keinesfalls.

Wer mir eine Freude machen will, darf mir morgen schreiben,
dass ich vieler jünger aussehe als ich bin. Aber wehe, das ist
nicht ehrlich gemeint! Das merke ich sofort - und das macht dann
alles nur noch schlimmer.

Etwa seit Mitte 30 sind mir Geburtstage ein Greuel.
Übermorgen werde ich wieder gelassen in die Zukunft blicken:
Bis zum nächsten Jahresring hat es dann wieder ein Jahr Zeit.

khh

25. September 07

Nettolöhne

Haben Sie es auch gelesen? "Nettolöhne niedriger als vor 15 Jahren".

Allein zwischen 2000 und 2006 sind die Arbeitnehmereinkommen "nominal"
nur um 4,5% gestiegen und "inflationsbreinigt" deutlich gesunken.

Gleichzeitig hat sich das "Einkommen aus Unternehmertätigkeit"
im gleichen Zeitraum um 42% erhöht.

Wer hätte das (nicht) gedacht und (nicht) schon längst gespürt.

Das Bundesarbeitsministerium spricht von einer "deutlichen Unwucht".
So kann man das auch sagen.

DGB-Chef Sommer zieht daraus den Schluss nach einem Mindestlohn
von 7,50 Euro/Stunde. Leider falsch.

Der Arbeitgeberverband BDA wiederum interpretiert die Zahlen so,
dass die Sozialabgaben "immer noch zu hoch sind". So kann man das auch sehen.

Die BILD-"Zeitung" wittert einen "Netto-Lohn-Skandal". Und liegt damit daneben.

Der Bund der Steuerzahler meint, "Wir brauchen dringend eine Steuer- und Abgabenentlastung".
Die Frage ist, für wen?

Der wirkliche Skandal ist, dass Staat und die von ihm abgesicherten Monopolunternehmen (in allen Bereichen der Energieversorgung) das eigene Volk nur noch als Einnahmequelle sehen, nicht als Aufgabe
oder gar Kunden.

Und weil man sich darin völlig einig ist, wird sich daran auch nichts ändern,
Statistik hin oder her. Ich sage nur, selbst Schuld.
"Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber." (Edmund Stoiber).
Da hat er, äh, ausnahmesweise einmal, äh, Recht.

khh

24. September 07

Kraftstoffpreise - in den Tank geschaut

Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Normalbenzin kostet nur noch 1 Cent weniger als Super. Bei allen Marken. Natürlich. Auf den Zehntel-Cent. Natürlich hat sich der Superbenzinpreis dabei nicht nach unten am Normalbenzinpreis orientiert.
 
Nach informellen Quellen wollen die Mineralölkonzerne das Normalbenzin demnächst ganz vom Markt nehmen. Da entwickelt man die Preise so, das kein Unterschied mehr besteht und dann hat das ja keinen Sinn mehr. Und welches Auto kommt bei den steigenden PS-Zahlen schon noch mit Normal aus?
 
Dann wäre da eine Zapfsäule frei. Wofür? Na, für den Ultimate- bzw. V-Power-Diesel. Nee, wir tanken doch nicht mehr ordinären Lastwagendiesel: Super Diesel, steht jedenfalls bei Aral drauf. Ist aber das Gleiche wie normaler Diesel, sagt der Tankwart. Der ultimative Diesel kostet übriegns fast so viel wie (Super-) Benzin. Na, prima! Nachdem die Hälfte der Autofahrer auf Diesel umgestiegen ist, kann man die ja melken.
   
Merken Sie was? Und wissen Sie nun auch, warum die Brennstoffzelle nur so langsam in Gang kommt? Nach den Strom-, Öl- und Gaspreisen haben uns die Mineralölkonzerne nun auch bei den Kraftstoffpreisen völlig in der Hand. Irgendwie schürt das in mir ultimativen Power-Hass. Ich kaufe mir ein neues Rad, glaube ich.

khh

23. September 07

E-Mails

Wer E-Mails liest, weiß oft nicht, welche Stimmungen dahinter stecken. Welche dahinter stecken können, beweist Daniel Glattauer mit seinem Buch "Gut gegen Nordwind". Karl-Heinz hatte mir das Hörbuch empfohlen, er selbst hat es schon rezensiert.

Dieses Hörbuch ist wirklich phantastisch gut; eine Geschichte, die nur in E-Mails beschrieben wird. Andrea Sawatzki und Christian Berkel sprechen mit allen möglichen Nuancen die Stimmungen jeder E-Mail. die am Ende in ihrer Summe zu einer ereignisreichen Liebes-Geschichte werden. Die beiden Sprecher machen das einfach sehr gut.

Seither schreibe und lese ich meine E-Mails wieder sehr viel aufmerksamer.

cdv!

Zukunft der Zeitung...

...oder vielleicht besser: Zukunft der Information. Kollege Karl-Heinz hat mir einen Link über einen Bericht in der Zeit geschickt. Darin wird sehr gründlich über die mögliche Zukunft der Zeitungen geschrieben, gut recherchiert, gut geschrieben. Nebenbei: Eigentlich das Spezialressort von Thomas Knüwer, der sich schon häufiger über die Arroganz der Medienmogule ausgelassen hast.

Halten wir noch einmal kurz fest: Die Öffentlichkeit ändert sich. Was sich eigentlich nicht ändern sollte, ist die Qualität von Qualitätsmedien, von den wir annehmen, dass Sie eine Aufgabe in diesem Staat wahrnehmen. Ob wir sie nun "Vierte Gewalt" nennen wollen, oder nicht. Für mich ist es wichtig, dass es eine weitestgehend unabhängige Medienlandschaft geben muss, die in der Lage ist, die Demokratie mit ihrer Kritik zu unterstützen.Schade nun, wenn diese Aufgabe den renditeorientierten Share-Holdern geopfert wird.

Entscheidend für mich ist ein Aspekt: Oft ist die Aufgabe der weitestgehend unabhängigen Information  nur im Wettbewerb möglich. Und das sehe ich mittlerweile doch etwas schwarz. Insbesondere, was die lokalen Medien angeht. Dort sind viel zu häufig nur noch Monopolisten am Werk, die - mit Verlaub - im "lokalen Sumpf" mitwurschteln. Von Aufgabe in der Demokratie ist da keine Rede mehr. Ich habe es schon vor vielen Jahren am eigenen Leib erlebt. Und das war schwer genug.

Ob nun "das Internet", oder gar persönliche Internetseiten mit Kommentarfunktion dies ausbügeln können, wage ich zu diesem Zeitpunkt sehr zu bezweifeln. Aber ich mag auch die Hoffnung nicht aufgeben.

cdv!

Philosophen

"Die Staaten blühen nur, wenn entweder Philosophen herrschen oder die Herrscher philosophieren." (Platon)

19. September 07

Nachgedacht

Interessanter Aspekt: Mirjam meint, man sollte das Blog nicht mehr Blog nennen. Es wäre, wenn ich es richtig verstanden habe, der Akzeptanz abträglich. Warum sage man nicht einfach, dass es eine Internetseite ist. Nur zusätzlich mit der Funktion ausgestattet, kommentieren zu können, also keine E-Mails schicken zu müssen. Finde ich wirklich interessant. Ist denn der Begriff Blogs abstossend? Klar, es sind wirklich viele Blogs Tagebücher mit "Katzen-Content". Aber das ist Markt: Angebot und Nachfrage.

Wie schon in einem vorigen Eintrag erwähnt, wissen eigentlich nur wenige meiner Freunde und Bekannten davon, dass ich gemeinsam mit Karl-Heinz Heidtmann hier ein Blog (ahem..eine Internetseite) mit Buchstaben befülle. Ehrlich gesagt, habe ich es vielen auch gar nicht mitgeteilt. Abgesehen von einer Mail an diverse Geschäftspartner also keine Information darüber. Und das noch dazu: Die Seitenabrufe hier sind nahezu beschämend. Aber immer genügend.

Anmerkung beim eifrigen Nachdenken: Blogs (ähem...Internetseiten mit Kommentarfunktion) sind immer noch zu technisch. Gibt es eigentlich gute deutsche Übersetzungen von Feedreader, von RSS, und all dem anderen technischen Gedöns? Vielleicht sind einfach noch zu wenig DAUs (Dümmste anzunehmende User) unterwegs. Auch hier entscheidet letztendlich Angebot und Nachfrage.

Die Inhaber von Internetseiten mit Kommentarfunktion verstehen sich vielleicht zu  häufig als Trendsetter von Trends, die gar keine sind. Erinnert mich an die Zeit, als man Jeans trug. Waren alle Verbrecher, Langhaarige und Faulenzer.

Also: Die Internetseiten mit Kommentarfunktion noch einfacher machen. Wer dann will, der kann. Wer nicht will, muss nicht. So einfach isses. Vielleicht.

(Wird weiter gedacht)

cdv

16. September 07

Unsere Sicherheit - teuer erkauft

Über unseren Innenminister und seine Sicherheitsneurose wurde ja schon hinreichend geschrieben. Dennoch erfordert seine neue Avance gegen "die Islamisten" einige grundlegenden Gedanken.

Vor wenigen Jahren noch als "Erb- oder Erzfeinde" bezeichnet, sind die Franzosen, Engländer, Amerikaner und Russen inzwischen unsere Freunde. Wir hoffen, dass das auch so bleibt.

Nachdem uns also das Feindbild im Äußeren - insbesondere nach Wegfall des "Eisernen Vorhangs" - verloren gegangen ist (und auch China in dieser Hinsicht nichts hergibt), musste eine neue Bedrohung her, auf Biegen und Brechen. Die eigenen Terroristen - ob links oder rechts - geben ja zur Zeit auch nicht viel her.

Wer bietet sich an? Na, klar: Die islamische Welt. Letzte Woche taucht nach langer Zeit mal wieder ein Video von Bin Laden auf. Nun ist er ganz dunkelhaarig, vor zwei Jahren war er bereits grau. Wer hat den da geschlampt? Schmierenkomödie!

Dann werden angebliche Attentäter in diesem unserem Lande dingfest gemacht. Nichts Genaues weiß man aber nicht. Deutschland stehe im Zentrum der Terrorismusplanung, so jedenfalls unser Innenminister.

Passend dazu verkündet der Papst den Alleinanspruch der katholischen Kirche und machte ja auch schon vorher mal zweideutige Bemerkungen über den Islam.

Merken Sie was? Das hat offenbar System.

Und was soll nun gegen diese "Bedrohung" angeblich helfen? Nun, offenbar das Gleiche wie früher gegen die "Ivans" usw.: Aufrüsten. Um jeden Preis. Bekriegen. Mit Stumpf und Stiel - nein, das ist zu grausam, um es weiter zu zitieren.

Einmal vorausgesetzt, dass die Bedrohung real ist - woran ich erhebliche Zweifel habe, weil unsere eigene Geschichte voll von interessierten Lügen ist, wonach dieses oder jenes Land, diese oder jene Ethnie unser Untergang sei - so stellte sich doch vielmehr und zuvorderst die Frage, warum haben die so einen Hass auf uns? Haben wir denen ggf. einen Grund dafür gegeben? Kein Rauch ohne Feuer. Sollten wir mal darüber reden?

Könnten wir denn ggf. auch etwas aus der Geschichte lernen? Ja. Nein. Wenn überhaupt, dann eines: Verständigung hilft, Verhetzung nicht. Auch hatten wir alle in der Phase des "Kalten Krieges" keineswegs ein sichereres Gefühl als heute.

Ich jedenfalls fühle mich arg verunsichert - nicht nur durch die vermeintliche äußere Bedrohung, sondern gerade auch durch die innere, selbstgemachte.

Herr Schäuble, hören Sie auf damit!

khh

14. September 07

Die Veränderung der Öffentlichkeit

Der Vorstand der Kreissparkasse war über die von mir geäußerte Kritik auf diesem Blog etwas befremdet.

Die Kritik ist angekommen und möglicherweise berechtigt: Warum die Veröffentlichung der Veranstaltungskritik im Blog (= Internet = weltweit), warum nicht einen gleichlautenden Brief an die Verantwortlichen?

Antwortversuch: Die Veranstaltung war (halb-)öffentlich. Nur halb, weil wohl nur eigene Kunden oder Interessenten per Brief eingeladen waren. Und doch öffentlich, weil die Lokalzeitungen (Seite 3, "Die Tempomacher...") eingeladen waren.

Vielleicht war es mein Fehler, meine Veröffentlichung oder die Möglichkeit derselben nicht angekündigt zu haben. Etwas schwierig, weil ich eigentlich gar nicht geplant hatte, etwas über diesen Vortrag zu schreiben. Andererseits habe ich auch schon über Veranstaltungen geschrieben, die mir ganz gut gefallen haben. Ob ich das getan hätte, wenn dem so gewesen wäre, kann ich jetzt nicht sagen.

Eins ist mir dabei sehr deutlich geworden: Die "Öffentlichkeit" hat sich verändert, und sie ändert sich weiter. Waren es früher nur die klassischen Medien, die über öffentliche oder auch "halbhöffentliche" Veranstaltungen oder Ereignisse berichtet haben, so ist es mit den derzeitig anwendbaren technischen Möglichkeiten etwa der Web-Logs (möglich aber auch über youtube oder flickr sowie weitere communities) heute sehr einfach, eine "Öffentlichkeit" herzustellen.

Wie ich gelesen habe, ist es in den USA schon anders. Dort werden Blogger, etwa bei Akkreditierungen für Veranstaltungen, mit Journalisten der klassischen Medien gleich behandelt.

Festzustellen ist auch, dass die Veränderung langsam ist. Während ich das Bloggen mit großer Begeisterung für mich entdeckt habe, und mich damit sehr wohl fühle, konnte ich bislang nur sehr wenige Menschen in meinem eigenen Umfeld dafür begeistern. Ausnahme der üblichen Regel ist mein Partner und Freund Karl-Heinz Heidtmann, beredt und rhetorisch ordentlich beschlagen, der das Angebot gern angenommen hat, hier zu veröffentlichen. Mittlerweile bloggt er sogar auf seinen beruflichen Reisen. Respekt, Karl.

Fazit: Ich weiß aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit sehr gut, dass Veränderungen sehr viel mit Kommunikation zu tun haben. Künftig - versprochen - werde ich, so möglich, meine "kritischen" Veröffentlichungen ankündigen. Aber ich mag davon nicht ablassen.

cdv!

Edit: Wir lernen aus Fehlern.