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Januar 2008

31. Januar 08

Benehmen

Wenn sich von sieben eingeladenen Personen zwei abmelden, dann ist das noch in Ordnung. Wenn diese es aber auch nicht schaffen, ihre Vertreter zu schicken, ist das schon schade. Wenn sich aber von den restlichen fünf Eingeladenen zum Termin nur ein einziger blicken lässt, dann ist das mehr als ärgerlich. Und dann ist das, wenn ich das mal so hinzufügen darf, kein besonders gutes Benehmen.

Liebe Vorsitzende der Ortsvereine im Landkreis Heidenheim: Wenn wir mehr erreichen möchten, sollten wir ab und zu darüber reden, wie wir das machen wollen. Und wenn ich Sie dann einlade, wäre es sehr nett, wenn Sie mir im ungünstigen Fall Ihre Absage mitteilen (Bitte den Stellvertreter benachrichtigen...). Viel lieber ist mir, dass Sie zusagen.

Eine neue Einladung kommt demnächst.

cdv!

29. Januar 08

Kritik

Kurze Bemühung von wikipedia:

Kritik kam über das französische critique (ursprünglich griechisch κριτική [τέχνη], kritiké [téchne], „die Kunst der Beurteilung, des Auseinanderhaltens von Fakten, der Infragestellung“, von altgriechisch κρινειν krinein, „[unter-]scheiden, trennen“) ins Deutsche.

Nachdem ich vor wenigen Tagen den sozialdemokratischen Bildungsaufbruch  in Baden-Württemberg in unserer Stadt abgebrochen hatte, geht es wohl nun hinter den Kulissen hoch her. An diesem Abend war das Publikum nur verdattert, mehr sprachlos.

Einsicht: Mir war nicht wohl, diese Veranstaltung nach dieser Kritik kurzfristig verlassen zu haben. Ich wäre gern für eine spannende Diskussion dageblieben. Terminzwänge. Schade!

Merkwürdig: Angerufen hat niemand, auch keine einzige E-Mail. Gesehen habe ich nur eine "aufgeregte" Statistik meiner Blogseiten. Konnte gut erkennen, wer sich da tummelt...

Fortsetzung folgt.

cdv!

Nur noch kurz erwähnt: "Man kann nicht nicht kommunizieren". Paul Watzlawick

Mundpropaganda-Marketing

Normalerweise ist Kollege Karl-Heinz Heidtmann als "Top-100-Rezensent" hier der Fachmann für die Literatur. Heute übernehme ich mal, vielleicht kommt er mit seiner Rezension ja noch hinterher.

Bernd Röthlingshöfer hatte in seinem Blog zur Rezension eingeladen, ich griff zu. Des Autors Thema: Mundpropaganda-Marketing.

Kurzum: Das Buch hat richtig Spaß gemacht. Gut zu lesen, gut aufgebaut, erklärt Röthlingshöfer nicht nur die Entstehung der Mundpropaganda, sondern auch die  weitere Entwicklung nahezu bis zum heutigen Tage.  Dabei findet er sogar Zeit und Platz viele andere verwandte Marketingbegriffe in das Thema einfließen zu lassen.  Wer niemals etwas über "Viralmarketing", "Buzz-Marketing" oder auch "Affiliate-Marketing" gehört hat, ist mit der Lektüre dieses Buches auch noch gut aufgehoben.

Röthlingshöfer zeigt zahlreiche interessante Beispiele auf, vermittelt praxisnahe Tipps für die Anwendung von Mundpropaganda-Marketing, geht gut auf die Situation der Medien ein, gibt gute Tipps zur Recherche. Am Ende zeigt er sogar, wie man negative Mundpropaganda überlebt. Wer diese Hinweise beherzt, hat gute Chancen zum Überleben.

Als Kommunikationsberater werde ich das Buch meinen Kunden empfehlen. Kleiner Wermutstropfen von meiner Seite: Am Ende fehlt mir eine Zusammenfassung, vielleicht auch noch mal eine Ansprache an die Leser, sich diesem wichtigen Marketingthema zu widmen. Das Buch hört Knall auf Fall auf, und ein paar warme Worte zur Ermunterung wären hier durchaus noch angebracht gewesen.

Bin gespannt auf das nächste.

cdv!

Kein Platz für Tiere

Mit der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen wird dem eigenen Volk seit vielen Jahren noch jede Härte vermittelt.

Jüngst traute ich meinen Ohren und Augen nicht, als der Stadtobere von Wilhelmshaven den Kritikern einer weiteren Emsvertiefung entgegenhielt, die Ems sei eine Wasserverkehrsstraße und müsse sich daher den Anforderungen einer modernen Wirtschaft stellen. Schluss müsse auch mit dem Sommerstau sein. Dieser war etabliert worden, damit die vielen Wasservögel im Sommer dort brüten können. Nun wird die Brut also ersaufen.

De facto ist die Ems durch die vielen Ausbaggerungen und Stauungen (Stichwort Meyer-Werft und Kreuzfahrtschiffe) bereits jetzt ökologisch so gut wie tot.

Interessant ist für mich nur die Kurzsichtigkeit der Politiker, die bereit sind diesen Planeten und alles, was darauf gedeiht, den (An-) Forderungen der Wirtschaft zu opfern. Wir vernichten unsere eigene Existenz. Im Falle der Ems nur darum, damit Meyer noch größere Kreuzfahrtschiffe bauen kann, auf denen die Touristen dann dem letzten Eisbären beim Krepieren zuschauen können.

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann!

P. S.: Ich kann mich zwischen Trauer und Wut manchmal nicht entscheiden.

khh

Wahl und Wähler verloren

Nach der Wahl ist vor der Wahl. 42% Nichtwähler stellen die größte politische Gruppe. Man macht sich darum angeblich Sorgen in den Parteizentralen. "Man habe die Wähler nicht erreicht". Als ob es sich  um ein Kommunikationsproblem gehandelt hat!

Nein, liebe etablierte Parteien, wir haben Euch schon verstanden. Nur das, was Ihr uns in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geboten habt, hat uns so gar nicht überzeugt. Die SPD ist völlig zum Büttel der Unternehmen und deren Lobby verkommen. Die Linke saugt das linke aufgegebene Potential der SPD mit abgehalfterten Egomanen wie Oskar L. ab. Die FDP gefällt sich mit einer dummdreisten, pickligen, halbstarken Bubenschar, die Nonsens verbreitet wie Pennäler auf dem Pausenhof. Die Grünen sind dank Oskar Fischers untrügerischen Machtinstinkts zur Umfallerpartei geworden und völlig de-gen-eriert und über die vermeintlich Christdemokraten versagt dem Autor die Feder ...

Nein, die Nichtwähler habe ihre Stimme schlicht und einfach nicht abgegeben, damit sie sie weiter erheben können. Die Wähler haben ihren politischen Willen hingegen an die etablierten politischen Parteien delegiert und müssen jetzt leider die Klappe halten.

Wer seine Bürger nicht mehr als Aufgabe versteht, sondern nur noch als Opfer, hat seine Existenzberechtigung als politische Partei verwirkt.

khh

Nokia - die Karawane zieht weiter

Zu Nokia in Bochum gibt es entgegen den erhitzten Diskussionen nur zwei wirklich interessante Aspekte:

a) Das Verhalten eines Unternehmens wie Nokia ist völlig normal.
Die Fabrik in Rumänien ist schon gebaut, die Produktion kann dort
in Kürze angefahren werden. Die Personalkosten sind dort in der Tat niedriger.
Das Kapital hat historisch immer schon die günstigsten Anlagesphären aufgesucht,
ein eherner Prinzip, dass man "sozial" verurteilen kann, aber betriebswirtlich teilen muss.
Kapitalismus ist genausowenig sozial wie sein weichgespültes deutsches Sprachderivat
(freie und soziale) Marktwirtschaft.

b) Unverständlich ist hingegen das Weigerung der Konzerns Nokia,
erhaltene Fördermittel nicht zurückzahlen zu wollen. Der nun entstandene
Imageschaden ist wesentlich größer als die 40 bis 50 Mio Euro Fördergelder.
Man wird sehen, Nokia wird in Kürze zurückrudern. Auch andere Unternehmen wie
Shell oder jüngstens Vattenfall haben bemerkt, dass die eigene Krisenkommunikation
katastrophal war und danach viele Millionen in eine bundesweite Imagekampagne versenkt.
Ich tanke bis heute nicht wieder Shell.
 
khh

Provinz

Eine der bemerkenswertesten Analysen oder Thesenaufstellungen zum Thema "Veränderung der Medienlandschaft" habe ich heute hier entdeckt. Christane Schulzki-Haddouti zeigt dabei eine profunde Kenntnis der Medien- und der Blog-Landschaft.

Meine Erkenntnis: Es gibt noch immer ein starkes Gefälle von Großstadt zu Provinz. Während Hamburg, Berlin, München oder Frankfurt und Düsseldorf ein viel größeres Potenzial an Blogbetreibern und Nutzern bietet, gilt es in der ländlichen Ebene noch immer, die technischen Möglichkeiten der Kommunikation oft mühsam erklären zu müssen.

Blog, Facebook, Twitter und Co. sind hier "böhmische Dörfer". Während weltweit nahezu täglich ein neues Angebot nach dem anderen aus dem Internet-Boden schiesst, muss hier noch fast alltäglich um die Einrichtung einer standesgemässen Internet-Präsenz geworben werden.

Ändern wird sich dies auch. Fragt sich nur, wann.

cdv!

24. Januar 08

Bildungsaufbruch abgebrochen

Sehr geehrter SPD-Kreisverband,

die Podiumsdiskussion gestern abend mit dem Titel "Bessere Bildung für alle - Bildungsaufbruch in Baden-Württemberg" mußte ich leider nach nur anderthalb Stunden abbrechen.

Sehen Sie mir nach, wenn die langen und zuweilen auch schlechten Beiträge von Norbert Zeller (Vorsitzender Schulausschuss im Landtag BW - 30 Minuten mit völlig überfrachteten und unleserlichen Folien), Wolfgang Staiger (MdL - 30 Minuten mit Wünschen und Forderungen, ohne deutlich zu machen, wie zu finanzieren),  Norbert Fritsch (Leitender Schulamtsdirektor - 30 Minuten ohne erkennbare rote Linie...) und Franz Nerad (Rektor der Bühlschule - viel zu kurz zur alltäglichen Praxis) meine Diskussionslust raubten.

Sehen Sie mir bitte nach, wenn ich die Aufforderung zur Diskussion vielleicht völlig falsch verstanden habe, weil ich unter einer Podiumsdiskussion etwas ganz anderes verstehe (Statements von etwa fünf MIinuten - Diskussion auf dem Podium - Disskussion mit dem Publikum - zusammen ca. 90 bis 120 Minuten - anschließend Small-Talk).

Sehen Sie mir bitte auch nach, dass ich so gar nicht verstehen kann, wie man bessere Bildung diskutieren kann, und dann seine Meinung auf schlichtweg superschlechten Powerpoint-Folien präsentiert, dessen Inhalt ohnehin dem fachkundigen Publikum bekannt ist.

Sehen Sie mir einfach nach, dass ich diesen Bildungsaufbruch abbrechen musste. Gehen Sie schon mal vor, ich komme dann später nach. Oder war das umgekehrt...?

cdv!

22. Januar 08

Ungewöhnliche Wahlempfehlungen

Herr Clement rät von der Wahl der SPD in Hessen ab, Herr von Larcher empfiehlt "Die Linke" zu wählen.
Beide Male erfolgt ein Aufschrei der Parteispitzen der SPD, Überlegungen zum Parteiausschluss werden laut. Parteischädigendes Verhalten! Großes Flügelschlagen und aufgeregtes Scharren.

Der Fall Clement ist einfach abzuhandeln. Herr Clement gefiel sich schon immer als Macher, die SPD bot ihm dazu für einige Jahre die Basis. An sich ist er aber von ganzem Herzen ein Neo-Liberaler. Weil Herr Clement sein Geld inzwischen bei der EVU-Lobby mit großem Atomstromanteil verdient (die Postenversorgung nach Amtsende klappt bei den Genossen ohne Ausnahme vorzüglich, vorausgesetzt man war die ganzen Jahre brav), ist es doch klar, dass er nicht für regenerative Energien sein kann.
 
Die Wortmeldung von Detlev von Larcher ist schon perfider. Er rät zur Wahl von "Die Linke". Warum? Damit die SPD einen Denkzettel bekommt und sich wieder auf Ihre tradierten Werte besinnt! Jaah! Von wegen illoyal! Er erweist sich im Gegenteil damit als treuer Parteisoldat, der - zugegeben - zu ungewöhnlichen Mitteln rät. Schon als Sprecher des "Frankfurter Kreises" (das sollen einst die Linken innerhalb der SPD gewesen sein), hat Detlev von Larcher sich immer rechtzeitig in Deckung gebracht, bevor es brenzlig wurde (wie zum Beispiel bei der Abstimmung über den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr).

Also keine Sorge, Genossen, Euer DvL ist voll auf Linie. Wie immer. Ihr habt ihm ja auch deutlich gesagt, was er Euch alles verdankt. Und DvL beißt garantiert nicht die Hand, die ihn einst fütterte. Nein, so einer ist er nicht.

khh

21. Januar 08

Stubenhocker

Die Stube ist - zumindest im norddeutschen Raum - eine andere Bezeichnung für Wohnzimmer. Etymologisch bezeichnet es einen warmen Wohnraum (das Wort ist verwandt mit engl. stove = Ofen), der insbesondere im Winter oft das einzige heizbare Zimmer und somit der Hauptaufenthaltsort der Bewohner war.
   
Wenn ich die vielen kuscheligen Versuche der Kundenumgarnung sehe, die Friseurinnen, Nagelstudios oder Bücherhändler usw. mit dem Wort „Stube“ anstellen, dann wird mir allerdings ganz "blümerant" (norddeutsch für unwohl, abgeleitet von frz. "bleu meurant"). Wenn man (de facto meist wohl immer frau) es doch wenigstens bei einer einigermaßen akzeptablen Raumgröße beließe, aber nein, der Diminutiv  „-chen“ muss auch noch her!
   
„Biggi´s Nagelstübchen“ - da stört nicht nur der Apostroph.

„Ute´s Bücherstübchen“- viel Auswahl kann die nicht haben.

„Das HiFi-Stübchen“ - da bekommt man wohl nur kleine Boxen.

„Das Korsettstübchen“ - da wir eng geschürt werden müssen.

„Das Sprachenstübchen“ - offensichtlich nur für Kleingruppen.
   
Wir haben es also mit einem offensichtlichen Fall von „Understatement“ zu tun. Ob das wenigstens beim Finanzamt positiven Eindruck macht? Befreiung von der Umsatzsteuer oder so?
   
Ich gehe da jedenfalls nicht rein, muss ich doch befürchten, mir an niedrigen Deckenbalken den Kopf einzurennen, klaustrophobische Attacken zu bekommen oder vor Puseligkeit (rheinisch für unordentlich, durcheinander, norddeutsch eher, wenn mit Schnickschnack überladen) Depressionen zu bekommen.
   
Jetzt gehe ich aber erstmal in unsere „gute Stube“, auch so eine Erfindung von uns Norddeutschen. Dort saß man allerdings nur an Feiertagen. Alltags musste die Küche genügen.

   
khh