Marcel Weiss hat auf netzwertig.com bisher zwei bemerkenswerte Artikel (1 - 2) veröffentlicht, in denen er sehr deutlich mit Deutschland und dem Umgang mit dem Internet ins Gericht geht. Und ich gebe ihm Recht, wenn er dabei feststellt, dass das Land mehr und mehr zu einem Entwicklungsland degeneriert. Die zahlreichen Beispiele, die er dabei aufführt - von der populistischen Initiative der Familienministerin bis hin zu den Medien und ihrem Umgang mit der Technologie des Internets - zeigen beredt die deutsche Eigenschaft, alles sehr gründlich kaputt zu diskutieren.
Zu kurz kommt mir dabei die Analyse der Beweggründe. Und mir ist bei der genauen Beobachtung der letzten Monate klar, das hier ein Kulturbruch stattfindet, den insbesondere die klassischen Führer der politischen Parteien nicht gut finden können: Sie verlieren ihre Macht. Die kommunikativen und partizipativen Möglichkeiten des Internet sind auf herkömmliche Art nicht mehr kontrollierbar. Gegen den drohenden Kontrollverlust wird mit Hilfe willfähriger Medien, die ähnlich wie große Handelsmarken auch erleben, dass sie ihre bisher ausgeübte Macht über den Verbraucher nicht mehr ausüben können, peinlich geschrieben. Ein fleißiger Tapio Liller zeigt es leicht auf.
Allerdings: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich dieses Instrument Internet - es ist ja nicht mehr - durchsetzen wird. Besonders in diesem Wahljahr müssen diejenigen, die mindestens die Tragweite ahnen, sich noch mehr ins Zeug legen, damit wir - die die Bedeutung des Instruments wissen - aufzeigen können, dass es mit den bisherigen Strukturen so nicht weiter gehen kann.
Aber es ist auch hier so deutsch, dass leider auch diese internetaffine Gruppe von Menschen kaum Menschen duldet, die hierfür eine Führung übernehmen wollen. Eine Zeit hat mich der Mann mit dem Iro, Sascha Lobo, nur genervt. Bis ich irgendwann dachte, dass er vielleicht das Gesicht sein kann, das die Netzgemeinde braucht, um sich damit zu identifizieren. Gerade jetzt habe ich leider wieder den Eindruck, dass er dem schnöden Mammon, den ich ihm durchaus gönne, mehr frönt als der Idee.
Weiterhin vertraue ich solchen Menschen wie Markus Beckedahl, Johnny Haeusler, Stefan Niggemeier, Marcel Weiss, und manchmal auch Thomas Knüwer, um hier nur einige wenige zu nennen. dass sie für diese Sache weiterhin streiten und sich engagieren.
Ich bin gern dabei. Und was es mit dem Internet sonst noch so auf sich hat, gucke und höre ich mir Dienstag und Mittwoch auf der next09 an.
cdv!
Na, denn: Gute Reise!
Kommentiert von: Karl-H. Heidtmann | 04. Mai 09 um 08:26 Uhr