Beeindruckende 115 Teilnehmer zählte am Montag die Liste der Teilnehmer für eine Veranstaltung der MFG Innovationsagentur für IT und Medien des Landes Baden-Württemberg. Die Teilnehmer: Vertreter aus Kommunen aus dem südwestdeutschen Raum. Einige hatte nicht unerhebliche Wege zu dieser Halbtagesveranstaltung zurück gelegt.
Fazit meinerseits vorweg: Durchwachsen. Gute Referenten, aufmerksames Publikum. äußerst schwierige Gemengelage. Denn das, was Unternehmen oft auch nicht haben, fehlt nach meinen Erfahrungen auch vielen Kommunen: Das Ziel schlechthin, die Kommunikationsziele, die Strategie. Und die fehlenden Strukturen oftmals noch dazu.
Dass die Städte durchaus bereit sind, sich dem Thema Kommunikation zu widmen, zeigt ja nicht nur die Zahl der Teilnehmer, sondern auch die Situation der eigenen Mitarbeiter, insbesondere die der jungen. Das erzählt ein Bürgermeister Gunter Czisch aus Ulm, der sichtlich Gefallen an diesen Dingen findet, auch am iPad übrigens :-)
Sonst: Fast ein Crash-Kursus für Mitarbeiter von öffentlichen Verwaltungen. Zu viele Buzzwords, die leider nicht zu Beginn erklärt wurden. Einige Teilnehmer strichen im Verlauf der Vorträge sichtlich die Segel, schade das. Dabei waren die Referenten gut. Georg Schäfer vom Innenminsterium des Landes Baden-Württemberg, Prof. Dr. Jörn von Lucke, Zeppelin Universität Friedrichshafen, Bernhard Jodeleit von fischerAppelt, Dr. Carsten Ulbricht von der Kanzlei Diem & Partner. Gute Leute, alle.
Wer sich allerdings in öffentlichen Strukturen etwas auskennt, sollte wissen, dass es alles andere als einfach ist, nicht nur Verwaltungen von neuen Kommunikationsstrukturen zu überzeugen, sondern auch noch die Politiker, also die Gemeinderäte, wenn wir von Kommunen reden. Die Ängste und Bedenken, die wir sonst in Unternehmen kennen, kann man hier locker potenzieren.
Ziemlich robust die Erfahrungen von Uli Sailer, Stadt Gerlingen, zum Thema facebook, etwas enttäuschend die Äußerungen von Jörg Blumenthal, Pressesprecher der Stadt Mannheim: Google-Bashing at it's best, Datenschutz galore, zuweilen zu Recht, aber nicht im Rahmen dieses Vortrags. "Unter den rechtlichen Umständen kann ich ihnen nicht raten, sich in dieses Thema zu begeben", so Blumenthal. Vorher hatte er noch gesagt: "Wir machen jetzt alles crossmedial". Hmm.
Kritik muss man letztendlich dem Veranstalter ins Ohr flüstern: Weniger ist mehr. Gilt immer noch. Den überforderten Mitarbeitern der Verwaltungen hätte es gut getan, wenn man ihnen zunächst einmal die wesentlichen Charakteristika des Web 2.0 erklärt hätte. Der Zeitplan war zu eng, einige Redner dann auch noch ohne Zeitgefühl --> überzogen. Schade.
Wenn also die MFG es ernst meint, schiebt sie den nächsten Termin für die Kommunen gleich hinterher. Der Bedarf ist groß, viele Fragen. Und wir haben in den nächsten Monaten und Jahren ordentlich zu tun. Das ist mal das Gute daran. Vielleicht.
cdv!
update: Ein anderer Bericht. Lesenswert.

Hallo,
ob "enttäuschend" oder nicht, muss jede(r) für sich selbst entscheiden.
Zur Aussage ""Unter den rechtlichen Umständen kann ich ihnen nicht raten, sich in dieses Thema zu begeben", so Blumenthal. Vorher hatte er noch gesagt: "Wir machen jetzt alles crossmedial". Hmm." allerdings folgendes:
Ich sagte, dass unser Medienkommunikationsteam die Aufgabe hat, unsere Themen crossmedial aufzubereiten. Und habe dabei Audio- und Videopods angesprochen. Insofern sehe ich da keinen Widerspruch.
Kommentiert von: Jörg Blumenthal | 27. September 10 um 11:42 Uhr