"Zwischen Paid Content und Gratiskultur - Wer zahlt für Journalismus im Netz" hieß am vergangenen Samstag die Veranstaltung der Reihe "besser online" des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) in München. Vielleicht wäre der Titel "Für Risiken und Nebenwirkungen wenden sie sich bitte an...." Ja, an wen eigentlich? Meine Einschätzung: Der Journalismus tut sich schwer. Schwer mit diesem Internet, mit dieser Freiheit, mit diesen Chancen, ja auch mit den Risiken und Nebenwirkungen. Und so manch banger Blick verrät, dass es den vielen Offlinern in dieser Branche schon trügt, was da auf sie zu kommt. Und dass sie es kaum wahrhaben wollen.
Etwa das, dass in den nächsten Jahren vielen Verlagen heftig an den Kragen gehen wird, so sie es denn nicht schaffen, ihre Leser und Kunden mit guten journalistischen Inhalten in welcher Darbietungsform auch immer zu gewinnen. Die sichere Heimstatt der Journalisten ist dann mal gar nicht mehr so sicher. Ebenso wenig wie die regelmäßige Entlohnung.
Christian Jakubetz, der ebenso wie Stefan Aigner und Hardy Prothmann für die Sorte Journalisten steht, die das Internet für sich und ihre Tätigkeit entdeckt haben, vermutet zu Recht, dass alle nur darauf warten, dass man ihnen endlich ein Formular reicht, in dem die zehn goldenen Regeln für den journalistischen Erfolg im Netz steht: So geht's. Das wäre dann mal wieder die gewünschte Sicherheit.
Dass es gerade so nicht ist, bestätigen aber genau diese drei Protagonisten. Was sie aber transportieren: Es wird immer besser.
Den vielen Bedenkenträgern im Journalismus wird dieser Tag "besser online" nur wenig geholfen haben. Die Situation in den Verlagen muss sich noch weiter verschlechtern, damit sie sich aktiv und probierfreudig im Netz tummeln, um dort vielleicht mit anderen weiterhin das zu tun, was sie am besten können: journalistisches Handwerk, dass es ja weiterhin immer brauchen wird.
Ach, ja, die Verleger. Darauf sollten die Journalisten vielleicht nicht setzen. Denn die interessiert nur der eigene Geldbeutel. Etwa mit einem Leistungsschutz-Recht, dass sie durchsetzen wollen. Damit endlich mal Google etwas von dem Gewinn abgibt, dass es mit ordentlicher Leistung verdient. Logisch ist das nicht, aber die übliche Klüngel-Politik, die man als letzte Reserve noch mal in die Waagschale wirft. Konkrete Überlegungen, neue Micropayment-Modelle zu entwickeln, hat man von dieser Seite noch nicht ins Rennen geworfen, auch wenn Burda-Justitiar Dr. Robert Schweizer sich da larmoyant gibt. Immerhin saß jemand vom Suchmaschinen-Riesen mit auf dem Podium.
Am Ende war es ein fast konsequent offliniger Tag bei "besser online", weil das WLAN nicht so wollte. Und die ängstlichen Journalisten haben es nicht mal gemerkt.
cdv!
Hier weitere Beiträge zu der Veranstaltung:

Schöner Bericht - aber bitter im Abgang:
>> Am Ende war es ein fast konsequent offliniger Tag bei "besser online", weil das WLAN nicht so wollte. Und die ängstlichen Journalisten haben es nicht mal gemerkt. <<
Stimmt leider, wenn man sich die Zahl der aktiven Twitter-"Reporter" nach dem viel zu späten Start des WLAN anschaut.
Kommentiert von: PJebsen | 11. Oktober 10 um 02:00 Uhr