Meine Erfahrungen sind so: Die Identifikation der Bürger hört definitiv an der Stadtgrenze auf. Wenn es sie überhaupt gibt.Und das Weiterdenken über den Tellerrand Dorf, Gemeinde oder Stadt ist selten anzutreffen. Eigentlich gar nicht.
Schlechte Karten für die, die in Regionen denken. Für die, die wissen, dass das Gebilde Stadt oder Gemeinde in der Europäischen Union und globalisierten Welt heute kaum mehr zählt.Für die, die sogar über Landkreisgrenzen denken (müssen); für die, die sich schon mal angeguckt haben, wie es in den nächsten Jahrzehnten auf der Weltkarte brodelt, was die Bevölkerungsentwicklung angeht. Von Demographie will ich hier gar nicht reden.
Dabei muß es doch gar nicht heißen, stolz auf die eigene Stadt zu sein. Es reicht doch. sich als Bürger der Stadt erkennen zu geben. Gutes, schlechtes Beispiel ist unsere Kleinstadt: Viele Ostälbler, die erklären wollen, wo denn Giengen an der Brenz auf der deutschen Landkarte zu finden ist, beginnen zu stammeln: Am Ende kommt etwas wie "zwischen Ulm und Stuttgart" heraus. Schade.
Giengen ist die Stadt der Steiff-Tiere, der Ziegler-Feuerwehrautos, der Bosch- und Siemens-Kühlschränke, der AWG-Feuerwehrarmaturen, der Briel-Staubtücher, der Alligator-Ventile, der Link-Orgel in der Stadtkirche, der Charlottenhöhle (eine der längsten Schauhöhlen in Süddeutschland), Giengen ist die Stadt, die einst sogar Barbarossa beherbergte. Dass er die Giengener der Panscherei bezichtigte, kann man ja mal so unter den Tisch fallen lassen.
Was sonst in vielen Kommunen noch funktioniert, fällt leider hier aus: Die Identifikation mit dem hiesigen Bier, der Brauerei. (Die Webseite scheint auch noch aus dem letzten Jahrtausend...) Da ist unser Brauer leider von einem ganz anderen Schlag. Er braucht seine ganze Kraft und Energie, um die uralten Fahrzeuge und sein betagtes Mobiliar am Laufen und Leben zu halten. Die gute Marke aufzupeppen und mal in den Vordergrund zu stellen, fällt dabei leider flach. Und richtig berühmt ist das Bier halt auch nicht. Wie auch?
Dennoch wissen diejenigen, die über den Tellerrand hinaus denken (müssen), dass es zunehmend wichtiger wird, die Region mehr als die einzelnen Teile in den Vordergrund zu stellen. Und wenn es nur im Ansatz gelingen würde, die Identifikation mit der Stadt oder Gemeinde in einen Zusammenhang mit dieser Region zu stellen, wäre es ein Riesenfortschritt.
Meine Erfahrung ist so: Das dauert Jahrzehnte. Bestimmt. Die Kommunalreform war ja auch erst Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrtausends.
cdv!
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