Heidtmanns Z(w)eitgeist

08. Februar 08

Auf Wiedersehen!

Ein Jahr lang war ich Gastblogger im Blog meines Freundes und Partners Christian de Vries.
Jetzt ist Zeit gekommen, einen eigenen Blog zu betreiben. Christian hat mich überzeugt.

Heidtmanns Z(w)eitgeist geht - Heidtmanns Z(w)eitgeist kommt - bleiben Sie mir gewogen!

http://heidtmannszweitgeist.blogspot.com/

Ich bedanke mich bei cdv herzlich für die Idee und das gemeinsame Blog-Jahr!

khh

Klimawandel - Meinungswandel?

Auch wenn der beobachtbare Klimawandel bedrückend ist, so kenne ich doch kaum einen Menschen hier in Norddeutschland, der sich nicht wünschen würde, dass das herrlich vorfrühlingshafte Wetter unter Aussparung eines echten harten Winters so nahtlos in den Frühling übergeht.

Ich selber begrüße derzeit jedes Schneeglöckchen und jeden Krokus persönlich. Vor gut einer Woche tauchten zuerst - wie immer - die gelben Krokusse auf, inzwischen auch die blauen, weißen und gestreiften. Einfach herrlich!

Mehr noch als an diesen ersten Frühlingsboten erfreue ich mich an dem zunehmendem Gesang der Vogelwelt, die schon schon teilweise aus Ihren Winterquartieren zurückgekehrt ist. Bald schon wird die Amsel wieder ihr Abendlied auf dem Hausdach ausbringen und damit ihr Revier abstecken. Zur Zeit kann man schon Meisen, Finken und Spechte im Wald lärmen hören.

Der Tag heute ist abends auch schon um eine gute Stunde und morgens um eine gute halbe Stunde länger als in den dunklen Dezembertagen. Die Bäche und Flüsse sind auch weiterhin vom Eise befreit.

Und ökologisch wäre ein früher Frühling auch, denn die Heizkosten und damit verbundenen Emissionen fallen damit auch dieses Jahr deutlich geringer aus.

khh

05. Februar 08

Berns Röthlingshöfer: "Mundpropaganda-Marketing"

Marketingbücher gibt es viele. Manche sind sehr "akademisch" andere wiederum sehr "populärwissenschaftlich". Wenige treffen den Zeitgeist. Doch dieses Buch ist top-aktuell!
   

Bernd Röthlingshöfer  versteht es wie kaum ein anderer Autor, besonders die Implikationen der modernen Medien für ein zeitgemäßes Marketing darzustellen. Verständlich, übersichtlich, praxisorientiert, das sind die drei wichtigsten Schlagworte für dieses Buch.
   
Gleichzeitig macht Röthlingshöfer sich verdient darum, als m. E. Erster das Funktionieren von Mundpropaganda umfassend zu erklären. Immerhin ist diese der zentrale Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen - Tendenz zunehmend angesichts des Web 2.0. Zudem hat Mundpropaganda einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie ist kostenlos!
   
Röthlingshöfer bietet eine Mixtur aus theoretischen Grundlagen, neusten Forschungsergebnissen und - das ist sehr wohltuend - einer Vielzahl von praktischen und wirklich auch umsetzbaren Beispielen. Hier schreibt ein Marketingprofi für die Praxis! Immerhin geht es um nichts weniger, als durch den Einsatz bestehender Marketinginstrumente positive Gespräche über ein Unternehmen (ein Produkt, eine Marke usw.) zu stimulieren.

 

Wer dieses zudem kurzweilige Buch liest, wird sofort belohnt. Röthlingshöfer schüttet ein riesiges Füllhorn über seine Leser aus und entfacht ein Feuerwerk der Ideen. Die Synapsen kollern! Viele Themen können sofort selber in die eigene Praxis umgesetzt werden.

 

Märkte sind Gespräche - wie wahr! Schon James Thurber schrieb in seiner wundervollen zeitlosen Fabel "A very proper gander", dass es im Leben erstens entscheidend darauf ankommt, Gutes zu tun und zweitens dafür zu sorgen, dass darüber auch gezielt positiv geredet wird.

 

Fazit: Wenn Sie die Kommunikation Ihres Unternehmens aktiv verbessern wollen, nur nicht wissen wie, dann gibt es zur Zeit kaum ein geeigneteres Buch als dieses für Sie!

 

khh

04. Februar 08

Zufriedener neuer Kunde

Seit Ende letzten Jahres freue ich mich, dass ich den Elektrogroßhandel Frommeyer + Ziegemeyer in Osnabrück zu meinen Kunden zählen darf. Das Unternehmen gehört zu den führenden Elektrofachgroßhändlern in Deutschland. Sehen Sie selbst:

https://www.gautzsch-gruppe.de/unternehmen/fuz/details.htm

Vor einigen Tagen erhielt ich die folgenden Zeilen des Geschäftsführers als Reaktion auf das zweite Seminar, das ich für seinen Vertriebsinnendienst vergangene Woche durchführen durfte (ich habe die Genehmigung zu zitieren):

Sehr geehrter Herr Heidtmann,

vielen Dank für die sehr gelungene Veranstaltung. Habe bislang nur positive Resonanz erhalten.

Mit freundlichem Gruß

Frommeyer + Ziegemeyer GmbH und Co. KG

Goswin Horstmann

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass das Konzept, das ich mir für die VID-Jahrestagung von F + Z nach deren Stichworten ausgearbeitet hatte, offenbar aufgegangen ist. Gewünscht hatte man sich eine Mischung aus den Themen "Führung" und "Selbstmanagement".

Wenn jemand das Seminarkonzept "Sich und andere führen - Herr der Dinge?" haben möchte, stelle ich es gerne zur Verfügung.

Übrigens: Kurzfristig ist der 29. Februar/ 1. März 2008 als einer der raren Wochenendtermine frei geworden. Falls also jemand kurzfristig konkreten Bedarf hat, stets zu Diensten!

khh

Mercedes-Benz Museum

Vergangene Woche durfte ich für meinen süddeutschen Kunden Fischer-Zander vor 200 Teilnehmern einen Vortrag im Rahmen seiner ELTKAUF-Regionaltagung im Mercedes-Benz Museum Stuttgart halten.

Ich kann nur jedem - wenn er Kunde ist - raten, dort auch einmal eine Tagung abzuhalten oder - wenn er Privatperson ist - sich dieses Museum einmal anzuschauen!

Einzige Bedingung, man muss sich ein wenig für Automobile interessieren. Keineswegs ist es notwendig, selber einen Daimler-Benz zu fahren, um die Ausstellung genießen zu können.

Die Geschichte des Automobils wird mit Hunderten von Automobilen aus dem Hause Daimler-Benz von der ersten Stunde an bis heute dargestellt. Auch die Automobile vieler Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, sei es Kaiser Wilhelm II. oder Konrad Adenauer, Lady Diana oder Rino Starr, das Papamobil oder der Bus zur Fußball-Weltmeisterschaft warten dort tiptop gepflegt auf den Besucher.

Medial und architektural ist ebenfalls alles vom Feinsten.
Die Eintrittspreise sind gleichwohl zivil.

Die Teilnehmer der Tagung waren begeistert.

Sie möchten auch einen ersten virtuellen Eindruck?

Dann klicken Sie hier:

http://www.museum-mercedes-benz.com/

khh

03. Februar 08

Moderne Jäger und Sammlerinnen

Schnäppchen nennt ein Kunde laut wikipedia den Kauf eines Produktes zu einem Preis, der so günstig war, dass ihn der Verkäufer nicht dauerhaft allen Kunden einräumen könnte, ohne in eine wirtschaftlich prekäre Lage zu geraten.

 

Der Wortursprung legt nahe, dass der Verkäufer den Preis nur aus Unachtsamkeit gesenkt hat; in dieser kurzen Phase hat der Kunde sich das Produkt schnell „ge­schnappt“, bevor der Verkäufer seinen Fehler bemerkt und den Preis wieder hoch setzt.

 

Der Begriff „Schnäppchen“ ist eigentlich eine Bewertung aus Sicht des Bevorteilten und nicht des Übervorteilten. Unternehmen preisen ihre Ware als „Schnäppchen“ an, obwohl sie damit in der strengen Definition des Wortes implizieren, dass sie sich selbst damit „übers Ohr zu hauen“ lassen. Unternehmen benutzen das Wort inzwischen als Sammel­begriff für Sonderangebote oder dem Verkauf von Restposten, Zweite-Wahl-Ware, Ladenhütern und Auslaufmodellen, sowie beim Räumungs- und Schlussverkauf.

 

"Schnäppchen" werden aber häufig auch strategisch eingesetzt im Rahmen der soge­nannten „Verknappungsstrategie“, die durch eine Begrenzung der beworbenen Produkte an eine schnelle Kaufentscheidung appellieren soll. Dass dazu zum Teil eigens billig produzierte und qualitativ minderwertige Waren eingekauft werden, steht auf einem anderen Blatt.

 

Diese Strategie ist äußerst erfolgreich, da oft beträchtliche Mengen eines Produkts sowie zusätzliche Produkte verkauft werden und selbst im Falle eines Ausverkaufs sich der „Schnäppchenjäger“ häufig für ein anderes Produkt entscheidet.

 

Doch wurde die Schnäppchenjägermentalität nicht von den Mondmärkten erfunden. Sie wurde nur benutzt. Denn der Mensch ist und bleibt Jäger und Sammler. Vorwiegend gingen die Männer der Jagd nach; die Frauen sammelten (in der modernen Matriachats­forschung hat sich daher der Ausdruck "Jäger und Sammlerinnen" eingebürgert).

 

Der Jäger zeichnet sich besonders dadurch aus, dass er dem Wild auflauert. Er wartet mit Geduld, bis er den besten Moment erwischt. Und genau so ist das mit den Schnäppchen. Letztlich signalisiert die „Schnäppchen-Werbung“ dem archaischen Jäger, dass sich leichte Beute in "Rudis Resterampe" aufhält.
   

Die Sammlerinnen helfen dem Jäger, das Sammelgut zum Lager zu tragen bzw. sammeln ferner, was die örtliche Natur hergibt. Aus gutem Grund haben die Fahrräder von Frauen meistens auch heute noch ein „Körbchen“ und tragen Frauen auf Wochenmärkten gerne Körbe, Taschen oder andere Beutel mit sich. Frauen bevorzugen deshalb auch praktische Autos, wo sich das Sammelgut bzw. die Beute gut einladen lässt.
   

Archaische Motive werden also von den Marketingspezialisten lediglich benutzt. Wie so vieles. Schauen Sie sich nur mal die Laufstudien und Warenplatzierung im SB an! Oder denken Sie an die Wartezonen oder (Quengel-) Kassen mit speziell ausgesuchten Mitnahmeartikeln.
   

Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, solche Schnäppchenangebote zu machen, nur sollte es sich dann wirklich auch solche handlen. Sind Jäger oder Sammlerinnen nämlich nicht zufrieden mit ihrer Beute, folgen sie beim nächsten Mal dem Ruf nicht. Denn der Mensch ist bedingt lernfähig.

khh

29. Januar 08

Kein Platz für Tiere

Mit der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen wird dem eigenen Volk seit vielen Jahren noch jede Härte vermittelt.

Jüngst traute ich meinen Ohren und Augen nicht, als der Stadtobere von Wilhelmshaven den Kritikern einer weiteren Emsvertiefung entgegenhielt, die Ems sei eine Wasserverkehrsstraße und müsse sich daher den Anforderungen einer modernen Wirtschaft stellen. Schluss müsse auch mit dem Sommerstau sein. Dieser war etabliert worden, damit die vielen Wasservögel im Sommer dort brüten können. Nun wird die Brut also ersaufen.

De facto ist die Ems durch die vielen Ausbaggerungen und Stauungen (Stichwort Meyer-Werft und Kreuzfahrtschiffe) bereits jetzt ökologisch so gut wie tot.

Interessant ist für mich nur die Kurzsichtigkeit der Politiker, die bereit sind diesen Planeten und alles, was darauf gedeiht, den (An-) Forderungen der Wirtschaft zu opfern. Wir vernichten unsere eigene Existenz. Im Falle der Ems nur darum, damit Meyer noch größere Kreuzfahrtschiffe bauen kann, auf denen die Touristen dann dem letzten Eisbären beim Krepieren zuschauen können.

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann!

P. S.: Ich kann mich zwischen Trauer und Wut manchmal nicht entscheiden.

khh

Wahl und Wähler verloren

Nach der Wahl ist vor der Wahl. 42% Nichtwähler stellen die größte politische Gruppe. Man macht sich darum angeblich Sorgen in den Parteizentralen. "Man habe die Wähler nicht erreicht". Als ob es sich  um ein Kommunikationsproblem gehandelt hat!

Nein, liebe etablierte Parteien, wir haben Euch schon verstanden. Nur das, was Ihr uns in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geboten habt, hat uns so gar nicht überzeugt. Die SPD ist völlig zum Büttel der Unternehmen und deren Lobby verkommen. Die Linke saugt das linke aufgegebene Potential der SPD mit abgehalfterten Egomanen wie Oskar L. ab. Die FDP gefällt sich mit einer dummdreisten, pickligen, halbstarken Bubenschar, die Nonsens verbreitet wie Pennäler auf dem Pausenhof. Die Grünen sind dank Oskar Fischers untrügerischen Machtinstinkts zur Umfallerpartei geworden und völlig de-gen-eriert und über die vermeintlich Christdemokraten versagt dem Autor die Feder ...

Nein, die Nichtwähler habe ihre Stimme schlicht und einfach nicht abgegeben, damit sie sie weiter erheben können. Die Wähler haben ihren politischen Willen hingegen an die etablierten politischen Parteien delegiert und müssen jetzt leider die Klappe halten.

Wer seine Bürger nicht mehr als Aufgabe versteht, sondern nur noch als Opfer, hat seine Existenzberechtigung als politische Partei verwirkt.

khh

Nokia - die Karawane zieht weiter

Zu Nokia in Bochum gibt es entgegen den erhitzten Diskussionen nur zwei wirklich interessante Aspekte:

a) Das Verhalten eines Unternehmens wie Nokia ist völlig normal.
Die Fabrik in Rumänien ist schon gebaut, die Produktion kann dort
in Kürze angefahren werden. Die Personalkosten sind dort in der Tat niedriger.
Das Kapital hat historisch immer schon die günstigsten Anlagesphären aufgesucht,
ein eherner Prinzip, dass man "sozial" verurteilen kann, aber betriebswirtlich teilen muss.
Kapitalismus ist genausowenig sozial wie sein weichgespültes deutsches Sprachderivat
(freie und soziale) Marktwirtschaft.

b) Unverständlich ist hingegen das Weigerung der Konzerns Nokia,
erhaltene Fördermittel nicht zurückzahlen zu wollen. Der nun entstandene
Imageschaden ist wesentlich größer als die 40 bis 50 Mio Euro Fördergelder.
Man wird sehen, Nokia wird in Kürze zurückrudern. Auch andere Unternehmen wie
Shell oder jüngstens Vattenfall haben bemerkt, dass die eigene Krisenkommunikation
katastrophal war und danach viele Millionen in eine bundesweite Imagekampagne versenkt.
Ich tanke bis heute nicht wieder Shell.
 
khh

22. Januar 08

Ungewöhnliche Wahlempfehlungen

Herr Clement rät von der Wahl der SPD in Hessen ab, Herr von Larcher empfiehlt "Die Linke" zu wählen.
Beide Male erfolgt ein Aufschrei der Parteispitzen der SPD, Überlegungen zum Parteiausschluss werden laut. Parteischädigendes Verhalten! Großes Flügelschlagen und aufgeregtes Scharren.

Der Fall Clement ist einfach abzuhandeln. Herr Clement gefiel sich schon immer als Macher, die SPD bot ihm dazu für einige Jahre die Basis. An sich ist er aber von ganzem Herzen ein Neo-Liberaler. Weil Herr Clement sein Geld inzwischen bei der EVU-Lobby mit großem Atomstromanteil verdient (die Postenversorgung nach Amtsende klappt bei den Genossen ohne Ausnahme vorzüglich, vorausgesetzt man war die ganzen Jahre brav), ist es doch klar, dass er nicht für regenerative Energien sein kann.
 
Die Wortmeldung von Detlev von Larcher ist schon perfider. Er rät zur Wahl von "Die Linke". Warum? Damit die SPD einen Denkzettel bekommt und sich wieder auf Ihre tradierten Werte besinnt! Jaah! Von wegen illoyal! Er erweist sich im Gegenteil damit als treuer Parteisoldat, der - zugegeben - zu ungewöhnlichen Mitteln rät. Schon als Sprecher des "Frankfurter Kreises" (das sollen einst die Linken innerhalb der SPD gewesen sein), hat Detlev von Larcher sich immer rechtzeitig in Deckung gebracht, bevor es brenzlig wurde (wie zum Beispiel bei der Abstimmung über den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr).

Also keine Sorge, Genossen, Euer DvL ist voll auf Linie. Wie immer. Ihr habt ihm ja auch deutlich gesagt, was er Euch alles verdankt. Und DvL beißt garantiert nicht die Hand, die ihn einst fütterte. Nein, so einer ist er nicht.

khh

21. Januar 08

Stubenhocker

Die Stube ist - zumindest im norddeutschen Raum - eine andere Bezeichnung für Wohnzimmer. Etymologisch bezeichnet es einen warmen Wohnraum (das Wort ist verwandt mit engl. stove = Ofen), der insbesondere im Winter oft das einzige heizbare Zimmer und somit der Hauptaufenthaltsort der Bewohner war.
   
Wenn ich die vielen kuscheligen Versuche der Kundenumgarnung sehe, die Friseurinnen, Nagelstudios oder Bücherhändler usw. mit dem Wort „Stube“ anstellen, dann wird mir allerdings ganz "blümerant" (norddeutsch für unwohl, abgeleitet von frz. "bleu meurant"). Wenn man (de facto meist wohl immer frau) es doch wenigstens bei einer einigermaßen akzeptablen Raumgröße beließe, aber nein, der Diminutiv  „-chen“ muss auch noch her!
   
„Biggi´s Nagelstübchen“ - da stört nicht nur der Apostroph.

„Ute´s Bücherstübchen“- viel Auswahl kann die nicht haben.

„Das HiFi-Stübchen“ - da bekommt man wohl nur kleine Boxen.

„Das Korsettstübchen“ - da wir eng geschürt werden müssen.

„Das Sprachenstübchen“ - offensichtlich nur für Kleingruppen.
   
Wir haben es also mit einem offensichtlichen Fall von „Understatement“ zu tun. Ob das wenigstens beim Finanzamt positiven Eindruck macht? Befreiung von der Umsatzsteuer oder so?
   
Ich gehe da jedenfalls nicht rein, muss ich doch befürchten, mir an niedrigen Deckenbalken den Kopf einzurennen, klaustrophobische Attacken zu bekommen oder vor Puseligkeit (rheinisch für unordentlich, durcheinander, norddeutsch eher, wenn mit Schnickschnack überladen) Depressionen zu bekommen.
   
Jetzt gehe ich aber erstmal in unsere „gute Stube“, auch so eine Erfindung von uns Norddeutschen. Dort saß man allerdings nur an Feiertagen. Alltags musste die Küche genügen.

   
khh

19. Januar 08

Ermutigung

Ähnlich wie das Pfeifen im dunklen Walde erfüllen sog. "Durchhalteparolen" einzig den Zweck, sich selber Mut zu machen.
    
So lese ich denn im Jörg Löhr Kalender 2008 „Je größer die Schwierigkeiten, desto größer der Sieg“, ein Zitat, das von Cicero stammen soll. Löhr kommentiert, dass man sich nicht vor Niederlagen fürchten soll, da diese erfahrener, weiser und noch stärker machen.
   
Gut gebrüllt, Löwe bzw. Jörg Löhr! Wohl wahr!
   
Sportler neigen offenbar zu solchen Äußerungen. Schon Boris Becker soll ja gesagt haben, dass er aus seinen Niederlagen mehr gelernt hat als aus seinen Siegen.
   
Gewiss, da ist etwas dran.
   
Doch seien wir ausnahmsweise einmal ehrlich: Wer hat schon gerne freiwillig Schwierigkeiten, Probleme oder feiert seine Niederlagen? Ich jedenfalls nicht. Und was ist Ihnen lieber, ein „Sieg“ oder eine „Niederlage“. Na, jetzt aber mal ehrlich!
 
Jetzt warte ich nur noch darauf, dass mir der Kollege Löhr morgen mit „Si vis pacem, para bellum“ kommt. Dann kann er aber was erleben!
   
khh

08. Januar 08

Jahreswechsel

Zum Ende des vergangenen Jahres belebte mich die irrationale Hoffnung, dass mit Erreichen der Weihnachtsferien „irgendwie“ alles aufhören würde.
    
Weit gefehlt! Kaum hat das Jahr begonnen, geht die Mühsal wieder von vorne los!

Sisyphus, ik hör dir trapsen!
   

Alle Zähler stehen wieder auf Null. Was man soeben erreicht, gilt nicht mehr. Die Kosten steigen munter weiter und der Umsatz muss deshalb erneut höher ausfallen als im Vorjahr. Alles getreu dem olympischen Motto „citius, altius, fortius“ („schneller, höher, stärker“).
   

Ich bin jetzt schon müde, wenn ich nur dran denke!
   

Was waren das für herrliche Tage „zwischen den Jahren“! Keine Herausforderungen, kein Wecker, keine Termine. Einfach herrlich!
   

Mal sehen, wie lange die Erholung anhält und wann die Nerven wieder erstmals blank liegen!

Also, rauf aufs Laufrad!
   

khh

06. Januar 08

Kalender, Kalender

Vor einigen Tagen habe ich im Zusammenhang mit guten Vorsätzen bereits das Thema "Kalender" gestreift. Kein Jahr ohne Kalender! Und gibt es Menschen in diesem unserem Lande, die keinen Kalender haben? Geht das überhaupt?

Ich selber habe im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Kalendern kennen gelernt.
Auch wenn die jüngeren Kollegen inzwischen vielfach auf elektronische Varianten ausgewichen sind, bleibe ich bei der Papierform. Mein täglicher Begleiter, ein "Organizer" stammt seit mehr als 30 Jahren von der Firma "succes". An der Wand hängt ein Klappkalender, auf dem drei Monate im Überblick zu sehen sind, Sie wissen schon, Vormonat, Monat, kommender Monat mit verschiebbarem Reiter für den aktuellen Tag. Daneben hängt ein Zehnjahreskalender, auf dem ich nachschauen kann, auf welchen Tag 2011 mein Geburtstag fällt. Dann gibt es noch den "Lebensfreudekalender", der auf einem Blatt für jeweils zehn Tage einen aufmunternden Gedanken enthält und den ich auch seit vielen Jahren meinen Kunden dediziere.

Und schließlich wird diese Phalanx seit einigen Jahren um einen "Tagesabreißkalender" ergänzt. Ich meine, dass ein solcher Kalender einem einmal mehr Vergänglichkeit und Tempo der Welt vor Augen hält. Auch bei diesen habe ich alle gängigen Typen ausprobiert: Tiki Küstenmachers "Simplify-Kalender" für Entrümpler, den man nur ein Jahr lang wirklich ertragen kann, Lothar Seiwerts "Bärenkalender" für Selbstmanager, der auch nur ein knappes Jahr zu begeistern vermag, Jörg Löhrs "Magische Momente" mit Durchhalteparolen für das Mittelmanagement (das wird wieder nicht ganz einfach dieses Jahr, mit oder ohne Jörg Löhr).

Dieses Jahr bin ich - eher zufällig - auf den einzig wahren und brauchbaren Tagesabreißkalender gestoßen, der vermutlich meinem Lebenshorizont perfekt entspricht. Denn schon Voltaire lässt im Herbst seines Lebens seinen Candide sagen "Il faut cultiver son jardin!" - Man muss sich um seinen Garten kümmern! Und genau in diese Lücke stößt - jedenfalls bei mir - "Der grüne Wink - Gärtner Pötschkes Tageskalender". Nein, kein Scherz, der heißt so. Wunderbar nostalgisch mit vielen jahreszeitlichen Tipps rund um den Garten, gepaart mit kurzen Zitaten, Mond- und Sonnenphasen, Namenstagen usw. Auf der Rückseite eng bedruckt mit einem Text zum Garten- oder Jahresgeschehen - heute am 6. Januar zum Beispiel zu den "Sternsingern" und dem Wetterspruch "Dreikönig ohne Eis, Pankratius (12. Mai) weiß."

Wie man selber Dinkel-, Weizen- oder Sojakeime am Fensterbrett zieht, erfahre ich morgen.

    
khh

01. Januar 08

Herzlich willkommen

Wir begrüßen die zugestiegenen Fahrgäste an Bord des des neuen Jahres 2008!
Auskünfte über die nächsten fahrplanmäßigen Haltestellen finden Sie in Ihrem neuen Jahreskalender.

Das Bordrestaurant befindet sich im Erdgeschoß, wo Sie das freundliche Familienteam mit Opa gerne erwartet. Fahrgäste der 1. Klasse werden - für den Fall, dass Sie noch nicht präsentabel sind - weiterhin bevorzugt am Arbeitsplatz bedient.

Unser Zug hat zur Zeit eine Verspätung von mehreren Stunden.
Über Ihre nächsten Anschlusszüge informiert Sie Ihr/e Partner/in oder das freundliche Kinderteam am Telepoint.

Unser nächster fahrplanmäßiger Halt ist das Mittagessen.

   

khh

28. Dezember 07

Gute Vorsätze?

Haben Sie auch gute Vorsätze für das neue Jahr? Oder haben Sie vor, sich solche vorzunehmen?
    
Ich nicht! Mir gehen solche Sätze wie „Wo wollen Sie in einem Jahr stehen?“, „Welche Chancen gilt es zu nutzen?“, „Beziehen Sie auch Ihre Familie aktiv in die Zielplanung ein!“ (Lothar Seiwert: „Die Bären Strategie“) mächtig auf den Geist. Sie sind eitel. Vermessen. Seelenlos. Als ob das ganze Leben planbar wäre oder sich am „Erfolg“ (was immer man dafür hält) zu orientieren hätte.
   
Was also habe ich nächstes Jahr vor? Na, im Prinzip das Gleiche wie in diesem! Weiter­machen wie bisher: Meine Kunden mit guter Leistung überzeugen. Innovative Themen anpacken. Die Methodik verbessern. Mit sympathischen Kunden vertrauensvoll zusammenarbeiten. Menschen helfen, die beruflichen Anforderungen zu bewältigen. Selber fit und möglichst unabhängig von der Pharma- und Medizinmafia bleiben. Darauf achten, dass die Kinder weiter gedeihen. Der Muße genügend Raum bewahren. Weiter nach Gelassenheit streben, wie schon in den vergangenen Jahrzehnten.
   
Und nächstes Jahr um diese Zeit, da möchte ich genau hier stehen (besser wohl sitzen) und wieder über die Großkopferten lästern, die anderen erzählen wollen, wie man leben sollte. Meine Frau hat mir dieses Jahr den Jahreskalender 2008 von Jörg Löhr "Magische Momente" geschenkt. Freuen Sie sich also schon mal auf meine Kommentare!
   
khh

26. Dezember 07

Frohes Fest!

Vielen ist es aufgefallen: Es gibt immer weniger Menschen, die anderen an diesen Tagen ein „Frohes Fest“ oder „Frohe Weihnachten“ zurufen.

   

Wohl wahr. Abgesehen von den Berufsstandswahrern der Priesterkaste ist das Weih­nachtsfest für die meisten Menschen nichtssagend geworden. Zu aufgeklärt sind wir einerseits, um noch etwas mit der Weihnachtsgeschichte und den "Drei Weisen aus dem Morgenlande" anfangen zu können, zu gebildet, um nicht zu wissen, dass das Geburtsdatum Jesu Christi purer Unsinn ist, zu abgebrüht, um noch an die obsolete Geschichte von Gottes Sohn, der Unbefleckten Empfängnis undsoweiter zu glauben.

 

Der Einzelhandel glaubt jedes Jahr wieder fest an das Fest - und wird meist nicht enttäuscht. Wir kaufen mehr, als wir je (ver-) brauchen können. Doch selbst wenn es uns noch ganz ordentlich gelingt, Geld in Ware umzutauschen, fehlt uns doch inzwischen meist die Zeit, die Waren auch tatsächlich zu konsumieren. Allein das Lesen der Bedienungsanleitung des neuen portablen Navi dauert länger als die Weihnachtsfeiertage selber. Die Dekupiersäge bleibt das Jahr über ungenutzt im Keller stehen und verstaubt zusehends. Schlimmer noch, wir schaffen es kaum noch die, gekauften und erschenkten Waren zu entsorgen. Der Wohlstandsmüll nimmt zu. Da hilft nur noch ein ganz simpler Entrümplungsbestseller! Den werfen wir jetzt mal als erstes weg! Der Autor wird doch nichts dagegen haben können!?

 

Zumindest hat das Weihnachtsfest aber einen Vorteil: Es kehrt einmal im Jahr etwas Ruhe und Besinnlichkeit ein. Gut essen, spät ins Bett, lange schlafen. Zwar kneift der Hosenbund und liegen die Nerven angesichts familiärer Verpflichtungen und eng gedrängter Speisenpläne manchmal etwas blank, doch gäbe es Weihnachten nicht, man müsste es erfinden!

   

In diesem Sinne: Frohes Fest!
   
khh

20. Dezember 07

Eile mit Weile - Driving home for Christmas?

Alle haben es zunehmend eilig.

Eile und Hast sind überbordend geworden.
   
Wenn ich mich mit dem Auto in geschlossenen Ortschaften 50 km/h oder in Baustellen oder auf Landstraßen die vorgeschrieben Geschwindigkeit einhalte, habe ich definitiv immer entnervte Drängler hinter mir, die versuchen, mich zu schnellerem Fahren zu nötigen. Innerorts sind es meist hektische Frauen, außerorts deren gestresste Männer (ob es da einen Zusammenhang gibt?).
   
Dabei fahre ich bereits mit dem üblichen „Aufschlag“, der die eigene Tachodifferenz und die Messtoleranz der Radargeräte berücksichtigt, so dass gerade keine Verwarnung oder gar ein Bußgeld fällig würden.
   

Alle eilen, als ob sie Angst hätten, zu spät zu kommen.

Vielleicht ist frau oder man zu spät losgefahren?

Vielleicht fährt man nächstes Mal einfach ein Ideechen früher los?

Das wäre entspannter und sicherer für alle!
   

"Raser haben so viel Grips" … steht auf Autobahnplakaten. Dabei deutet eine adrette Dame zwischen Daumen und Zeigefinder eine Länge  von 2 bis 3 cm an, von der viele Männer glauben, das seien 30 cm.

Insofern ist dieses Plakat eine geschickte Anspielung darauf, dass fehlende Potenz gerne durch PS ersetzt wird.
 
Liebe Leute, bleibt mir von der Stoßstange und geht mir nicht auf die Nerven!

Ich bin rechtzeitig losgefahren und habe genügend Zeit!
 
khh

17. Dezember 07

Lebens(t)raum Auto

Mein Bordcomputer zeigt es an: In einem Jahr habe ich knapp 500 Stunden hinter dem Lenker meines Autos verbracht. Das sind umgerechnet in Arbeitszeit bei einer 40-Stunden-Woche drei Arbeitnehmermonate.
   
Viel Lebenszeit. Ist das nicht vermeidbar? Leider nicht. Arbeit ist da, wo meine Kunden wohnen. Zugegeben, von Stadt zu Stadt sind Bahn und Flugzeug klar im Vorteil gegenüber dem Auto. Sobald es aber in die Provinz geht, man viel Gepäck hat oder mehrere Reiseetappen, ist das Auto erste Wahl.
   
Neulich stand in der Zeitung, dass der ungebrochene Drang zum Automobil dem Freiheitsbedürfnis der Männer entspräche. Zehn Minuten Verspätung mit der Bahn würde man(n) nicht tolerieren, wohl aber stundenlange Staus. Der Vergleich hinkt, weil nicht die zehn Minuten ICE-Verspätung das Problem sind, sondern die Tatsache, dass man danach seinen Anschlusszug nicht erreicht und ggf. erst viele Stunden später ans Ziel kommt. Und eine „dynamische Fahrtroute“, bei der ein Stau umfahren wird, ist bei der Bahn nur bedingt möglich.
   
Zudem kann ich die vermeintlich unproduktive Zeit im Auto auch ein wenig durch die Möglichkeit des ungestörten Telefonierens aufwerten. Natürlich kann ich das auch in der Bahn. Aber da hört ja jeder zu, was ich telefoniere oder schlimmer noch, ich muss mir den unendlichen Quark meiner wichtigtuerischen Zeitgenossen anhören.
   
Und kann ich Fachbücher und Literatur als Hörbuch konsumieren und zwar ohne Ohrenstöpsel.
   
Und außerdem ist das mein Auto, mein Sitz, meine Sitzposition, meine Senderwahl, meine Innenraumtemperatur, meine Sitztemperatur, mein Tempo. Freiheit? Oder eher Individualität?
 
Jedenfalls wenn ich keine Lust mehr habe, halte ich einfach an. Machen Sie das mal im ICE.

 

khh

12. Dezember 07

Unerklärliche Leukämiefälle

Ich bin´s sowas von leid!
   

War vergangene Woche noch von 2,5 Kilometern Umkreis die Rede, bei der nun doch, obwohl überhaupt nicht vorstellbar, Leukämie bei Kindern entstehen könne, sprechen wir diese Woche schon über 50 Kilometer Umkreis. Worüber sprechen wir nächste Woche?
   

Mir war Atomkraft immer schon unheimlich. Zugegeben, als Schüler und später Student war das eher Ausdruck allgemeinen Protests und weniger technisch fundiert. Nach Tschernobil brauchen wir keine Sicherheitsdiskussionen mehr. Gut, dass für die deutschen Atommeiler Restlaufzeiten vereinbart und die ersten alten Trümmer bereit vom Netz sind.

   

Angesichts der neuen Forschungsergebnisse, die keiner verstehen WILL, freue ich mich auf eine angeregte Diskussion über eine vorzeitige Beendigung des ganzen Atomspuks. Von wegen Atomstrom sei billig! Nicht einmal die Entsorgung haben wir geklärt!
   

Nein, so geht das nicht weiter. Einfach geordnet runterfahren, abschalten, rückbauen!

Ich verzichte, falls es notwendig ist, einen Tag in der Woche auf elektrisch unnötige Verbraucher und bin auch bereit, eine Stunde früher ins Bett zu gehen …
   

khh

10. Dezember 07

Jahresende - völlig unerwartet und unverhofft

Der Akku ist leer, der Blick ist glasig, die Nerven liegen blank - es ist zehn Tage vor Weihnachten!

Wie jedes Jahr, so kommen auch in diesem das Weihnachtsfest und das Jahresende wieder völlig unerwartet daher.

Alles muss noch schnell unter Dach und Fach. Budgets müssen ausgegeben, Versprechen eingelöst und Dinge auf einen guten Weg gebracht werden.

Manchmal beschleicht mich (auch für mich selber) das Gefühl, als ob alle auf einen endgültigen "Tag X" hinarbeiteten. Danach Ruhe, Schluss, Aus. Doch dem ist nicht so. Nach kurzer Verschnaufpause, die keineswegs zum Erholen geeignet, weil voll mit privaten Terminen, ist, geht der Turbo im neuen Jahr genauso weiter. Wie sang mal jemand "Halt die Welt an, stoppt die Zeiger der Uhren!" Schöne Idee!

Es gab einmal eine Zeit, da war die Zeit "zwischen den Jahren" spürbar. Auch diese ist uns inzwischen abhanden gekommen. Liegt das vielleicht an der Konstellation der Feiertage?

Aber nächstes Jahr, das habe ich mir fest vorgenommen, passiert mir das nicht mehr!
Nach Nikolaus ist aus. Die Türen werden verrammelt, die Fenster verrriegelt, das Telefon abgemeldet, die Türklingel verklebt, der PC stillgelegt, der Feedreader abgemeldet. Nur noch Kekse essen, Tee trinken und Hosiana rufen. Bücher lesen, Spiele spielen, Kamin und Sauna an. Einen Monat lang die FAZ abonnieren.
Selber kochen, jeden Tag. Abends ne ordentliche Bouteille Roten.

Oder wir fahren einfach weg! Wohin? Dahin, wo Schnee liegt.
Ich bin schon ganz raschelig. Nächstes Jahr wird alles ganz anders! Wetten?

khh

08. Dezember 07

Teetrinker

Ich bin Teetrinker. Durch eine niederländische Mutter quasi von Geburt an.
   
Teetrinker unterscheiden sich deutlich von überwältigenden Menge der Kaffeetrinker. Teetrinker werden meist als Weicheier wahrgenommen und sind tendenziell exzentrisch. Dass Teetrinker gesünder leben, ist erwiesen. Ob sie länger leben, ist unbekannt.
      
Als Hotelbewohner und Vielreisender habe ich es nicht immer leicht. Nur selten ist das gastronomische Angebot auf Teetrinker ausgerichtet. Oft ist das Teewasser nur lauwarm oder schmeckt nach Kaffee (liegt an den Warmhaltekannen, in den auch schon mal Kaffee kredenzt wurde).

   
Seltsamerweise ist fast immer ein Beutel Zitronensaft oder (in der gehobenen Gastonomie) eine Scheibe Zitrone dabei. Das macht aber nur Sinn, wenn man krank ist. Vielleicht geschieht das aber genau deshalb: Wer einen Tee bestellt, muss entweder einen schwachen Magen haben - oder ist eben exzentrisch, wie ein Engländer. Tee genießt jedenfalls selten die Wertschätzung eines "normalen" Getränkes.
   
Kaffeetrinker kennen auch keinen Unterschied zwischen Schwarztee und Früchtetee, Kräutertee oder neuerdings "Rooibuschtee". Echte Teetrinker trinken Blatttee, keinen "Broken" oder "Ostfriesische Mischung". Earl Gray als das Beispiel parfümierten Tees ist auch nicht beliebt bei Puristen. Ähnlich den Spitzengewächsen beim Rotwein huldigen sie den Spitzenblättern des Darjeeling, am liebsten als First oder Second Flush. Auch Ceylontee wird sehr geschätzt. Assam weniger.
   
Tee ist das erste warme Getränk, das Menschen zubereitet haben. Die Japaner kennen gar eine Teezeremonie. In Deutschland gilt, dass ein belebender Tee circa drei Minuten ziehen sollte, grüner Tee nur eine Minute und bei höchstens 70 Grad C.
   
Und genau diese Zeit des Wartens macht den Unterschied. Teetrinker können warten. Kaffeetrinker nicht. Sie sind hektisch. Rastlos. Nicht von ungefähr also der Spruch: "Abwarten und Tee trinken!"

   

khh

26. November 07

Jan Garbarek Group

Ätherische Klänge, die nun einer Vollendung entgegenstreben, bei der Genese, Erkennen, Chaos und feierlich-freudige Erlösung auf einander folgen, ineinander übergehen.
   
Als Zuhörer ahnt man jäh, dass alles mit allem zusammenhängt - und dass Garbarek das verstanden hat.

Gestern Abend. Bremen. Die Glocke. Ein großes Konzert. Und wir durften das erleben.

   

khh

23. November 07

Entkommen!

Einmal im Jahr gehe ich zur Hautklinik, um meine diversen Hautpigmente untersuchen zu lassen. Als privat Krankenversicherter genieße (!) ich das Privileg, dies vom Chefarzt, Prof. B. machen zu lassen. Nicht nur vermeide ich einen völlig überlaufenen Hautarzt in beengten Räumen in meiner Heimatgemeinde, sondern erlebe zudem noch einen blitzgescheiten Schwaben, mit dem sich auf höchstem Niveau über Literatur deliberieren lässt.
   
Wir beide nehmen uns dann trotz vollen Wartezimmers immer ein paar Minuten, um die eine oder andere famose Sentenz zu zelebrieren. Prof. B. schlägt mich mit seinem phänome­nalen Gedächtnis immer um Längen. Ob Hölderin, Gottfried Benn oder Robert Gernhardt - er kennt nicht nur den Anfang eines Gedichts sondern auch dessen Ende und alles, was dazwischen steht. Ein Genuss! Ein wahrer Geist.

   

Ganz anders ergeht es mir in den Minuten des Wartens. Die Prozession von Kranken, Gebrechlichen und Todgeweihten setzt mir doch arg zu. Mir fällt auf, wie wenig manch stationär untergebrachte Kranke auf sich achten. In ausgebeulten Schlafanzügen schlurfen sie durch die Gänge. Ein älterer Herr leidet offenbar unter Inkontinenz und hat sich nass gemacht. Ein anderer hat unsäglich viele Geschwüre im Gesicht. Dem nächsten werden die Ergebnisse einer Untersuchung an den Hausarzt mitgegeben. Die erläuternden Worte des Assistenzarztes sind coram publico für alle deutlich zu hören. Diskretion ade.

   

In diesen Momenten beschleicht mich das Gefühl unendlicher Dankbarkeit, nicht zu diesen Maladen zu gehören. Ich kann gleich wieder gehen, mich frei und ohne Behinderung bewegen. Ich hoffe, niemals in einem Krankenhaus zu landen. Wenn ich die Gene meines Vaters geerbt habe, dürfte mir das vielleicht auch gelingen. Und dann will ich nur noch eins: Schnell weg hier! Prof. B. hat auch dieses Jahr keinen Grund mich festzuhalten. Wir verabreden uns wieder für nächstes Jahr. Eine lange Zeit. Ich will sie nutzen.
 
khh

18. November 07

Volkstrauertag - Helden wie wir?

Vor etwas 35 Jahren bin ich bei der Reserveoffizieranwärterprüfung mit dem schriftlichen Prüfungsthema „Tapferkeit oder Leichtsinn“ konfrontiert worden.

 

Heute am Volkstrauertag, fällt mir diese Episode wieder ein, weil eben dieser Tag einst auch "Heldengedenktag" hieß.

   

Über meine schriftliche Niederlegung einst, dass die Frage doch sehr vom Ausgang einer Aktion und ihrer später je variierenden historischen Bewertung abhänge, war der Prüfungsausschuss nicht eben glücklich. Konnte er auch nicht sein, saßen da ja lauter kleinhirngesteuerte „Kommissköppe“ und keine großhirnbasierten Philosophen (das  wiederum hatte ich unterschätzt). 

   

Dieses Jahr wurde der 60. Jahrestag des Stauffenbergattentats gedacht. Keiner hätte 1944 gewagt, jene Männer des 20. Juli Helden zu nennen. Heute sind sie es für mich und die Mehrheit unserer heutigen Bevölkerung. 

 

Sind die Bundeswehrsoldaten, die heute (meines Erachtens grundgesetzwidrig) ihren Dienst in fernen Ländern verrichten und dabei zu Tode kommen, auch automatisch Helden? Oder waren sie nur nicht stark genug „nein“ zu sagen zu ihrem Marschbefehl? 

 

Ist es möglicherweise leichtsinnig, sich als deutscher Soldat im Irak oder Afghanistan zu Befriedung der durch die USA (imperial und imho ohne jegliche Basis des Völkerrechts) attackierten Ethnien zu bewegen?

   

Ich komme heute zu keinem anderen Urteil als einst: Es hängt sehr vom Ausgang ab.

Immer wieder erleben wir, dass historische Ereignisse post festum unterschiedlich bewertet werden.

   

Denn nicht an sich ist gut oder böse. Einzig unsere Wertung macht es dazu.
 

khh

11. November 07

Macht

Für einige Menschen ist es das erklärte Lebensziel, so viel Macht wie möglich über andere zu bekommen.
   
Man wird „Chef“, erreicht einen hohen Dienstgrad oder geht in Verbände, Vereine, Politik.
   
Daran ist nichts auszusetzen. Denn Rangfolgen und Hierarchien sind „natürlich“. Einer muss oft die Führung übernehmen - und die meisten sind froh, wenn er das tut. Dass dieser ständig in der Kritik steht, tut dem keinen Abbruch.
   
Problematisch wird es nur, wenn Menschen an die Macht kommen, die sich ihrer Verantwortung für die anderen nicht bewusst sind. Wer Macht mit einem Freibrief für schlechtes Benehmen, Kujonieren oder Schikanieren gleichsetzt, gefährdet den Frieden.
   
Männer haben einen  ausgeprägteren Machtsinn als Frauen und beide benutzen zur Erreichung ihrer Ziele unterschiedliche Mittel.
   
An Unternehmensspitzen entdecken wir jedoch ähnlich wie in diktatorischen Systemen manches Mal auch Psychopathen. Besonders gefährlich wird dies, wenn jene seit Kindheitstagen einen ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex haben und diesen durch Machtexzesse austoben. Ganz pervers ist dieses Syndrom im deutschen Faschismus zu Tage getreten. Gib dem Menschen eine Uniform - und Du erkennst ihn nicht wieder.
   

Gleich welche Ausprägung das Dominanzstreben hat, hinter ihm steht nichts als der Wunsch nach Anerkennung und Angenommensein. Und wer keine natürliche (persönliche) Autorität genießt, versucht sich diese qua Amt, Hierarchie, Position anzueignen. Autorität bedarf der freien Anerkennung, Macht nicht.
   
Mein Lieblingsmotto hat auch mit Macht zu tun: „Wer macht, hat Macht.“

khh

05. November 07

Kinder, Kinder

Je älter ich werde und Erfahrung ich dadurch sammle, desto mehr komme ich zu der Überzeugung:
   
Im Prinzip sind und bleiben wir alle Kinder!
   
Kommt man in Gruppen mit anderen Menschen - seien es Freunde, Partner oder Kunden -
zusammen, so ist der (erweiterte) Sandkasten von einst meist nicht weit:   
„Das ist mein Förmchen!“
„Lisa ist blöd!“
„Mit Ulli spiele ich nicht mehr!“
„Ich will auch mal den Roller fahren!“
„Meine Burg ist aber größer!“
„Wenn Karin kommt, spiele ich nicht mit!“
„Du nimmst Dir immer die große Schaufel!“
 
Wir verlassen das Kinderzimmer vermutlich nie.
Nur die Sprache verändert sich: 
„Der Meyer hat doch gar kein Standing!“
„Die Müller ist doch total introvertiert!“
„Das Fullfilment von Wagner ist doch total Banane!“
„Der Oberhuber sucht doch nur seinen Vorteil!“
„Der Schindler ist doch ein echter Schwachleister!“
„Als ich neulich bei meinem Kunden Krupp war …“
„Ich bin jetzt geschäftsführender Gesellschafter der Best GmbH!“

Nicht einfach, aber wenn man das akzeptiert und dafür sorgt, dass jeder seine Streicheleinheiten bekommt, dann geht das schon.
    
Denn nur um dieses Defizit an Aufmerksamkeit geht es.

khh

31. Oktober 07

Service - kein "Serwitz"

Kunden wollen Service. Doch kaum ein Mitarbeiter in deutschen Unternehmen weiß, was genau das ist. Manche verwechseln Service mit "Dienstleistung", anderen meinen, das sei das Gleiche wie "Kundendienst". Das aber wird eher als "Wartung und Reparatur" verstanden.

Was also ist Service? Service all das, was unser das Leben einfacher, leichter, bequemer, angenehmer usw. macht. Dabei muss Service keinesfalls kostenlos sein. Die Tasse Kaffee beim Friseur ist inklusive, der Leihwagen, wenn das eigene Auto in der Werkstatt ist, nicht.

Service ist manchmal eine Kleinigkeit. So hat am Montag das "Autohaus Werner" in Seckenhausen beim Wechseln der Sommer- auf Winterreifen gleich auch die Uhr im Armaturenbrett meines Autos auf die neue Winterzeit für mich mit umgestellt. Ich hätte dafür wieder das Handbuch konsultieren müssen - oder glauben Sie, dass das heute noch so einfach geht?

Da sage ich danke! Guter Service!

P.S.: Dass ich den ganzen Tag kostenlos die neue M-Klasse (probe-) fahren durfte,
betrachte ich mal als Akquisitionskosten, nicht als Service. War aber trotzdem ein nettes Erlebnis.

khh

30. Oktober 07

Zum Tode von Evelyn Hamann

Einige Jahre haben wir in den 80er Jahren unter dem gleichen Dach gelebt in der Bleicherstraße in Bremen. Evelyn bewohnte eine kleine Wohnung über mir, gleich in Rufweite des Bremer Theaters.
Die Nachricht von Ihrem Tode hat mich getroffen.

Evelyn lebte in der Tat recht zurückgezogen, hat sich in all den Jahren nie "aufgedrängt", immer ein freundlicher Gruß, ein Lächeln. Manchmal ein kurzes Gespräch. Bei den Feiern im Hause war sie selten dabei. Den engsten Kontakt hatte sie noch zu Günter, auf der gleichen Etage, der mit 45 Jahren partout noch das Klavierspiel erlernen wollte - Rag Time, schrecklich. Nie hat Eveyln da eingeholfen oder das Geklimper unterbunden. Ich erfahre erst jetzt, dass sie selber als Tochter eines Konzertmeisters sehr gut Klavier spielen konnte.

Das war eben typisch Evelyn. Nie hat sie sich in etwas eingemischt. Die anderen lassen wie sie sind. Nie hat sie sich über irgend etwas beschwert, was ja schon mal sein kann, wenn "junge Leute" das Haus bewohnen. Einmal gab es eine heftige Auseinandersetzung mit dem Hauseigentümer, einem dicken Hamburger Anwalt, der möglichst wenig in die alte Villa investieren wollte. Evelyn war dabei der ruhende, vermittelnde Pol. Scheinbar.

Da ich meine Zimmer direkt unter ihren hatte, ist mir nicht entgangen, wie verzweifelt (einsam?) sie sein konnte. Dann hörte ich laute, gellende Urschreie und heftiges Getrampel über mir. Nein, das war kein Sprech- oder Atemtraining.

Irgendwann sind wir dann nach und nach alle ausgezogen, weil der dicke Anwalt sofort nach dem Tode seiner Schwiegermutter, die das Souterrain rauchend bis in ihre neunziger Lebensjahre bewoht hatte, die Villa versilbert hat. Evelyn ist dann nach Hamburg gegangen. Danach habe ich nicht mehr von ihr gehört. Ihre TV-Karriere begann erst danach richtig. Ich habe mich für sie gefreut, auch wenn ich ihre Serien nicht angeschaut habe.

So ist das wohl oft mit "komischen" Charakteren und lachenden Clowns. Innen sieht das meist ganz anders aus. Nein, Evelyn war keine Frohnatur. Sie war eine ernsthafte hanseatische Person und eine sehr angenehme Mitbewohnerin. Dass über ihre Erkranung nichts an die Öffentlichkeit gedrungen ist, passt einmal mehr ins Bild. Evelyn hatte eben Charakter, ohne jeden Zweifel.

Evelyn, es war schön, ein paar Jahre so unter Dir gelebt zu haben.

khh

27. Oktober 07

Genossenstreit

„Das kostet uns den Verlust der Regierungsfähigkeit!“ (Finanzminister Peer Steinbrück über das Abrücken Kurt Becks von der Schröderschen Agenda 2010).
   

Diesen Satz muss man zwei Mal lesen, um ihn zu verstehen und seine Semantik wirklich zu würdigen.

Man weiß ja inzwischen durch Seminarbesuche, dass man „Kosten“ de facto nicht sparen kann (nur reduzieren). Nun lernen wir den Teil zwei der Lektion, dass ein Verlust auch etwas kosten kann, hier nämlich die Regierungsfähigkeit. Er hätte ja auch schreiben können, dass das die Regierungsfähigkeit koste. Aber nein, das kostet den Verlust.
   

Und sie haben richtig gelesen: Nicht die Regierung, sondern die Regierungsfähigkeit. Logisch hat der Mann Recht: Schneidet man jemandem den Kopf ab, so bedeutet das den Verlust der Denkfähigkeit. Unter anderem. Es kostet aber auch das Leben. Sehen Sie, Steinbrück benennt nicht das Äußerste. Das ist nicht sein Stil. Aber er meint es.

 

Bleiben wir bei den Kosten. In der Betriebswirtschaft gibt es den Begriff der „Opportunitätskosten“. Gemeint sind damit entgangene Erlöse, die dadurch entstehen, dass vorhandene Möglichkeiten (Opportunitäten) nicht wahrgenommen werden. Allgemein gesagt sind Opportunitätskosten der Nutzenentgang, der bei mehreren Alternativen durch die Entscheidung für die eine und gegen die anderen Möglichkeiten entsteht. Nun applizieren wir den Begriff auf Steinbrücks Äußerung: Es ist demnach nicht opportun, an der Agenda 2010 rumzuschrauben. Jedenfalls nicht für Opportunisten.

Ferner stellen wir fest: Es geht nicht um die Sache an sich (analog die Denkfähigkeit), sondern um den Erhalt der Macht (analog das Leben). Steinbrück befürchtet nichts weniger als das Scheitern der Großen Koalition. Und dann wäre er seinen Job los. Garantiert. Das wäre dann tatsächlich (zumindest subjektiv) ein Verlust.

 

Nein, das kann er nicht wollen müssen. Da muss er dagegen sein wollen dürfen. Und deshalb muss er aus ganz opportunistischen Gründen dafür sein, sich dagegen äußern zu können.


khh

25. Oktober 07

Wir gründen eine Schule

Im gleichen Maße wie der Staat wegen sinkender Schülerzahlen Schulen schließt, öffnen jede Woche zwei „Schulen in privater Trägerschaft“ ihre Tore.
   
Die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ widmet diesem „Wachstumsmarkt“ diese Woche einen Schwerpunkt. Gerade hat auch Staatsminister für Kultur Neumann bei der Eröffnung des privaten „Ernst-Nebelthau-Gymnasiums" in Bremen das hohe Lied auf Privatschulen gesungen. Das an sich ist schon fragwürdig, doch es kommt noch besser: Neumann stellte den Staatsschulen gleichzeitig ein vernichtendes Urteil aus.
 
Jeder Privatier darf eine solche Meinung haben und äußern, nur als Staatsminister für Kultur geht das so gar nicht. Macht ein Angestellter eines Unternehmens dieses in der Öffentlichkeit schlecht, so kann das Grund zur fristlosen Kündigung sein.
   
Damit kein Missverständnis entsteht: Die Situation der öffentlichen Schulen ist miserabel! Doch die Alternative kann doch nicht sein, dass nun – ganz im Sinne des herrschenden Privatisierungstrends – auch das Schulsystem stiekum privatisiert wird. Rechnen würde es sich vermutlich für die Staatkasse, weil die Zuschüsse, in der Regel 60 – 70%, an eine private Schule geringer sind als die Kosten eigenen Schulbetriebs. Und das aus gutem Grund: Kostet doch der Differenzbetrag dieser Teilnahme an privat organisierter Bildung die Eltern je nach Schule, Kinderzahl und Art der Unterbringung 300 bis 1800 Euro im Monat.
   
Knapp 700.000 Schüler besuchten im Jahre 2006 private allgemeinbildende Schulen, die meisten davon in konfessioneller Trägerschaft. Das entspricht einer Quote von 7,5%, d. h. jeder 14. Schüler besucht inzwischen eine Privatschule.

   
Nein, eine Zweiklassenschule ist das nicht. Nein, nicht nur die Kinder wohlhabender Eltern besuchen Privatschulen. In „Ausnahmefällen zahlen auch das Jugend- oder das Sozialamt (…) dann etwa, wenn ein ärtzliches Attest dem Kinde eine starke Lernschwäche oder ein vergleichbares Defizit bescheinigt“. Na, denn: Auf zum Doc! Vielleicht akzeptiert der ja das Defizit auf meinem Konto, das uns daran hindert, unsere drei Kinder auf eine Privatschule zu schicken?

khh

19. Oktober 07

Abzocker Mineralölkonzerne

Liebe Mineralölkonzerne,

um es unumwunden zu schreiben: Ich habe die Nase unendlich voll von Euch!
Vorgestern kostetet der Liter Diesel noch 113,9 Euro, heute zu Ferienbeginn 125,9 Euro.

Für eine plausible Begründung müsstet Ihr Euch schon arg winden.

Es ist immer wieder das gleiche Ärgernis, zu jedem Ferienbeginn setzt Ihr Eure Preise
rauf. Inzwischen nicht mehr um drei oder vier Cent, nein, dass ist Euch in Eurer unendlichen
Gier nicht mehr genug, jetzt nehmt Ihr gleich 12 Cent. Das ist maßlos!

Und ebenso geht es uns in einem "liberalisierten" Markt mit den Strom- und Gaslieferanten.
Der Staat hat seine Bürger den Konzernen als Opfer freigegeben.

Doch wie es maßlosen Organisationen langfristig ergeht, zeigt die Geschichte auch.
Aber dann braucht Ihr nicht auf die Solidarität der Verbraucher rechnen, wenn Euch Eure
Aktien um die Ohren fliegen.

khh

10. Oktober 07

Helden meiner Kindheit - 1

Vorgestern Nacht ist sie gestorben, mit 87 Jahren, fast blind und kaum noch mobil. Abends ins Bett gegangen, morgens nicht mehr aufgewacht. Bis kurz vor ihrem 80. Geburtstag hatte sie noch ihren "Tante-Emma-Laden" alleine geführt. Vermutlich hatte sie nicht genug "geklebt" und konnte nicht auf eine gute Rente hoffen.

Als ich Kind war, stand da noch "Kolonialwarenladen" an der Fassade. Und den Wandel von Tante Emma zur Selbstbedienung habe ich als junger Erwachsener noch am Rande mitbekommen, obwohl der zur Verfügung stehende Raum keiner Kalkulation eines Lebensmitteldiscounters standhalten gehalten hätte. Von wegen Umsatz pro Quadratmeter usw.

In meiner Volksschulzeit hatte sie durch die gegenüber liegende Schule mit acht Klassen rege Kundschaft. Dauerlutscher, Salmis, Wundertüten usw. Natürlich gab es da noch Sauerkraut und Gurken aus dem Fass. Ich erinnere mich auch noch, als es Ende der 50er Jahre plötzlich für nur 10 Pfennig ein Vanilleeis am Stil bei ihr gab, von "Sahnobub", oberlecker, nie wieder habe ich danach so ein gutes Eis gegessen! Und die Weihnachtsgeschenke für meine Eltern und Großeltern habe ich als Kind natürlich bei ihr gekauft. Veilchenparfüm für meine Mutter, Eckstein für meinen Vater, eine Zigarre für Opa.

Später, als aus der Schule ein Kindergarten und eine Seniorenbegegnungsstätte geworden war, und die Menschen dieses Ortes schon längst in die großen Discounter zum Einkaufen fuhren, hatte sie ihr Auskommen mit den Einwohnern der vielen Altenheime, die es in meinem Heimatort gibt. Die Herrschaften haben wohl vielfach den Drang zu einem kleinen Flachmann, um durch den Tag zu kommen.

Irgendwann ging es dann aber doch nicht mehr und nun ist in dem Laden ein moderner Friseursalon eingezogen.

Ich erinnere mich an eine lebenslustige Frau, die nicht auf den Mund gefallen war und die im Leben "ihren Mann gestanden hat", denn verheiratet war sie nie.

Ich gedenke und verabschiede mich in Respekt von Frau Erna Schwarmann aus Sagehorn, einer Heldin meiner Kindheit - von der die Geschichte ansonsten keinerlei Notiz genommen hat.

khh

08. Oktober 07

Der Orientzyklus - eine Wiederbegegnung mit Karl May

Partner L. hat mir neulich den "Orientzyklus" von Karl May als Hörbuch geliehen.
Es ist zugegeben schon ein Experiment, wenn man nach über 40 Jahren Bücher liest, die man als Jugendlicher verschlungen hat!

   

Natürlich kommt man sich angesichts der dick aufgetragenen Geschichten und der vor Pathos und Stereotypen ("Der Orientale ist halt so ...") triefenden Geschichten beim Hören dieser 12 CDs manchmal recht albern vor.

   

Doch mit 14 Jahren hatte man noch keinerlei Bezug zu solchen Begriffen. Und vielleicht muss sich der heute erwachsene Leser bzw. Hörer vielmehr erschreckt fragen, welchen Einfluss solche Literatur denn wohl auf das eigene Denken und Handeln wohl genommen haben mag? Old Shatterhand, Winnetou und Kara Ben Nemsi Effendi waren immerhin die Helden unserer Kindheit.

   

Die Produzenten umschiffen diese Klippe sehr gekonnt, in dem Sie jeder der zwölf CDs ein Fragment des weniger berühmten Lebens Karl Friedrich Mays voranstellen, in denen all die Gerichtsverhandlungen szenisch nachgestellt werden, denen sich Kara Ben Nemsi Effendi in seinem wirklichen Leben als Karl Friedrich May peinlichst unterziehen musste. Das finde ich nun wiederum raffiniert!
 

In der Psychologie spricht man wohl von Kompensation, wenn einem das eigene Leben nicht so recht gelingen will und man sich stattdessen auf andere Schauplätze und Dinge des Lebens mit Inbrunst kapriziert.

 

Die Aufhebung des eigenen Scheiterns in fiktiven Leben, sei es im Orient oder im Wilden Westen erinnert mich brandaktuell an die hohe Akzeptanz von "Second Life" im Internet. In diesem Sinne ist Karl May sein zweites Leben doch recht beachtlich und umfangreich gelungen.

   

Hörspieltechnisch ist diese Produktion vom Feinsten. Hier wurde an nichts gespart, weder an Sprechern noch an szenischer Gestaltung.

 

Fazit: Ein bisschen peinlich, aber wer nach der Lektüre von Karl Marx noch Karl May zugeben kann, hat immerhin auch Charakter, oder?

khh

04. Oktober 07

Schwarzwälderkirschtorte

Zugegeben: Ich esse sehr gerne Schwarzwälderkirschtorte. Sie auch?

 

Aber stellen Sie ich einmal folgendes Szenario vor: Sie öffnen eines Nachmittags Ihren Kühlschrank und finden dort eine prachtvolle Schwarzwälderkirschtorte vor. Nehmen wir einmal der Einfachheit halber an, Sie wohnen alleine, also kann dieses Prachtstück nur für Sie sein, so dass Sie sich, ohne über den edlen Spender lange nachzudenken, flugs ein schönes Stück davon nehmen und sogleich verspeisen. Es ist die beste Schwarzwälder­kirschtorte, die Sie seit langem gegessen haben!

Weil es so gut war, nehmen Sie gleich noch ein Stück. Es schmeckt fast noch besser. Ein drittes schaffen Sie allerdings nicht. Am nächsten Tag nehmen Sie wieder ein Stück. Fast könnte man meinen, dieses Stück schmecke noch besser, weil die Torte nun gut durchgezogen ist.

Und so verfahren Sie Tag um Tag, bis die Torte ratzeputz weg ist.

Doch schon einen Tag später steht wie von Zauberhand wieder eine neue Schwarzwälder­kirschtorte in Ihrem Kühlschrank. Sie freuen sich. Dieses Mal dauert es ein Ideechen länger, bis sie ganz vertilgt ist.

Als dann die dritte Korte im Kühlschrank steht, sind Sie nicht mehr ganz so begeistert wie bei den ersten beiden. Jeden Tag Schwarzwälderkirschtorte ist nun auch etwas übertrieben. Nun gut, Sie nehmen ein Stück und essen ist. Gut wie immer, aber ein zweites Stück hinterher, nein, das geht beim besten Willen nicht.

Da Sie zur sparsam erzogenen Nachkriegsgeneration gehören, in der gleichzeitig elterlicherseits noch der liebe (?) Gotte bemüht wurde, wenn man das Pausenbrot weggeworfen hatte, zwingen Sie sich, auch diese zu Ende zu essen.

Aber danach muss es für Sie vorläufig keine weitere Schwarzwälderkirschtorte sein. Doch unversehens steht eine vierte Schwarzwälderkirschtorte in Ihrem Kühlschrank. Sie ignorieren sie einfach einige Tage. Als der Hunger sie zwingt, essen Sie ein Stück. Es ist nicht schlecht, aber löst keine Begeisterungsstürme mehr Ihrer Geschmacksknospen aus, die Synapsen feuern nicht.

Bei der fünften Schwarzwälderkirschtorte ist für Sie dann aber endgültig Schluss. Kein Stück mehr davon bringen Sie runter. Doch jeden Morgen, wenn Sie die Kühlschranktür öffnen, schaut Sie eine Schwarzwälderkirschtorte an. Furchtbar. Sie bekommen Aversionen und Aggressionen. Ignorieren geht nicht. Wegwerfen geht nicht (siehe oben).

Sie beschließen, die Schwarzwälderkirschtorte einfach zu verschenken. Eine gute Idee! Das wird sicher eine Weile gut gehen, jedoch nur solange, bis auch Ihr Freundeskreis keine Schwarzwälderkirschtorte mehr mag!

Was nun? Was tun? Ignorieren? Einen neuen oder zweiten Kühlschrank kaufen? Ausziehen? Den Schweinen geben? Sie haben doch gar keine!

Was auch immer Sie tun, Ihre Lust auf Torten ist vorerst auf dem Nullpunkt. Sie träumen stattdessen von etwas Herzhaftem. Saure Gurken, meinetwegen, Schwartenmagen, Sülze oder ein Leberwurstbrot. Alles, nur keine Schwarzwälderkirschtorte!

„Die größte Pointe ist ungesagt, die Pointe, die vom Zuschauer zu Ende gedacht wird.“ (Harald Schmidt)

khh

02. Oktober 07

Hundeleben

Unser Hund geht nicht einfach Gassi. Als anspruchsvoller Terrier (außen Hund, innen Katze), sind ihm Routinegänge ein Gram.
   
Zu später Stunde, wenn Herrchen, Hundchen und Frauchen müde sind, gibt er sich mit einem „Wiesenpippi“ oder „Straßengassi“ zufrieden. Die beiden Varianten unterscheiden sich lediglich dadurch, ob es entweder vorne auf den Acker geht oder nach hinten auf die Wiese. Das Geschäft ist in beiden Fällen minutenschnell realisiert. Danach ab in Körbchen. Für alle.
   
Die richtige Gassirunde heißt hausintern „Pfotengang“ und wird ebenso wie die beiden oberen Begriffe deutlich semantisch unterschieden und verstanden.
   
Der Pfotengang hat unterschiedliche Strecken und damit Qualitäten. Ohne größeren Aufwand wäre da die "Felderrunde" zu nennen, die in ihrer Kurzform ca. 1,5 km lang ist und stufenlos auf bis zu 5 km ausgedehnt werden kann. Diese Runde wird morgens mit Frauchen akzeptiert, gibt aber olfaktorisch und auch sonst nicht viel her - nix Neues, Ausführstrecke für alle "Köter" eben.

Die "Runde um den Block" eignet sich eher abends, ist 1,3 km lang und etwas aufregender, weil so viele Katzen die Strecke queren (der Jäger spricht hier von "wechseln").

An heißen Sommertagen ist „Dänemark“ die beste Wahl, womit die große Sandsprunggrube hinter der Grundschule gemeint ist, wo man, pardon, hund sich prima suhlen kann. Zudem ist es dort schattig und wenn man die Augen schließt, kann man - Herr und Hund - sich mit ein bisschen Phantasie vorstellen, man sei in Dänemark am Strand.

Nachmittags eine dieser Runden anbieten zu wollen, wird mit Empörung abgelehnt. Zu dieser Zeit möchte man, pardon, hund chauffiert werden. Am liebsten in die nahegelegenen Wälder.

Große Begeisterung finden dabei neue Gebiete und Wege, die komplett neu kartiert bzw. besser wohl markiert werden müssen.

Eindeutig geklärt ist seit sieben Jahren die Frage, wer mit wem Spazieren geht: Hund fordert Herrchen gegen 14:00 h unmissverständlich auf, die Griffel beiseite zu legen, weil er (wer wohl?) nun Gassi gehen muss.

Gibt es eigentlich schon Krankenkassen, die ihren (nicht blinden) Mitgliedern Hunde verschreiben? Sinnvoll wäre es.

khh