Gott und die Welt

05. April 08

Ein all zu menschlicher Gott?

Der christliche Gott hat eine erstaunliche Reihe ganz offensichtlich negativer menschlicher Eigenschaften:

Er ist rachsüchtig, er ist gewalttätig, er ist nachtragend - und er ist eifersüchtig. Denn schon im ersten Gebot heißt es, „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben!“
   

Daraus dürfen bei genauer Betrachtung schließen, dass es faktisch offenbar andere gibt, sonst wäre das Gebot überflüssig.

 

Konkludent daher auch der Anspruch der katholischen Kirche auf Alleinvertretungsanspruch. Von Toleranz besonders untern Herrn Ratzinger keine Spur. Er hetzt gleichermaßen gegen Islam wie Judentum.

 

Was soll auch sonst dabei herauskommen, wenn der Mensch als Ebenbild Gottes sich die Erde Untertan macht?

khh

03. Februar 08

Das ist doch Sünde!

Die Herkunft des Wortes „Sünde“ ist nicht ganz zweifelsfrei. Es hat eine gemeinsame Wurzel mit Worten anderer germanischer Sprachen (Englisch sin, Altenglisch synn, Altnorwegisch synd).
   
Einige meinen, es ginge auf dass germanische sund zurück, weil Sund eine Trennung bezeichne, andere halten dies für falsch. Wiederum andere glauben, Sünde komme etymologisch von „Sondern“ - der Geist des herausgefallenen, weltlichen Menschen versteht die Welt nicht mehr, da er das Verbundensein mit allem leugnet.
   

Auch die althochdeutschen Wörter sunna ("rechtsgültiges Hindernis") und sunta ("Schande") werden als Herkunft des Wortes herbeigezogen.

 

Umgangssprachlich wird unter Sünde oft eine als falsch angesehene Handlung verstanden, ohne dass damit eine theologische Aussage impliziert wäre.

   

Als Begriff ist die Sünde aus den abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) zu Hause. Er bezeichnet vor allem im christlichen Verständnis den unvollkommenen Zustand des Menschen, der von Gott getrennt ist. Diese Trennung wurde, der biblischen Erzählung (Genesis 3) zufolge, durch den „Sündenfall“ herbeigeführt. Die Sünde resultiert im christlichen Verständnis aus einer willentlichen oder zumindest billigenden Abkehr von Gottes Heilsplan.

   

Daneben bezeichnet der Begriff Sünde die verwerfliche und daher sündige Tat. Eine Sünde wird als verwerflich bzw. schlecht angesehen, weil sie von Gott als Sünde gekennzeichnet wird (z.B. durch die 10 Gebote). Durch Sünde kommen andere Mitmenschen oder der Sünder selbst immer direkt oder indirekt zu Schaden. Somit ist der Sünder nicht nur durch die Übertretung selbst, sondern auch immer durch ihre Folgen mit einer Schuld behaftet. 

   

Die Sünde ist „deklinierbar“: Das christliche Konzept der „Erbsünde“ beschreibt einen überindividuell bestehenden Zustand der Sünde, der irreversibel ist und nur durch die Gnade Gottes beseitigt werden kann (evangelische Version).

   

„Lässliche Sünde“ ist nach traditioneller katholischer Lehre eine Sünde, die nicht zum Verlust der Gnade und zur ewigen Verdammnis führt - und die darum nicht unbedingt gebeichtet werden muss. Sie ist insofern das Gegenteil einer „Todsünde“.

   

Sühne“ ist der Vorgang, durch den der Sünder wieder mit Gott versöhnt wird. Dieses ursprünglich jüdische Konzept wurde zu einer zentralen Lehre in der christlichen Theologie

   

Eng verbunden mit der Sünde sind das „Bekennen und Bereuen“ derselben sowie die „Buße“. Durch diese „Reue“ und die Heilstat Jesu Christi erfahren Christen „Vergebung“. 

   

Letztlich führt die Sünde zur Verurteilung im sogenannten „Jüngsten Gericht“ Gottes, zu zweierlei Schicksal für Glaubende und Nicht-Glaubende: Himmel und Hölle.

Mit dem Begriff und dem Konzept "Sünde" hat die christliche Kirche Jahrunderte lang Milliarden von Gläubigen kujoniert. Dies allein dadurch, dass es ihr gelungen ist, dieses Konzept im Bereich des "Über-Ich" (Stichwort "Schlechtes Gewissen") abzuspeichern. Eine Kontrolle war so gut wie nicht nötig, da "Gott ja alles sieht" (Orwell: "Big Brother ist watching you"). Die erste Form freiwilliger Selbstkontrolle war erfunden.

Da hat Minister Schäuble es viel schwerer: Er muss kontrollieren lassen. Jeden einzelnen von uns. Dass dem Mann nichts Besseres eingefallen ist!

      

khh

09. September 07

Papst beklagt Kinderlosigkeit

Dass jede - insbesondere aber die katholische - Kirche sich den wortwörtlichen und etymologisch fundierten Vorwurf der "Demagogie" klaglos gefallen lassen muss, liegt wohl in der Natur der selbstgestellten Aufgabe.

Doch dieses Argument hat uns gerade noch gefehlt, nach der kürzlichen Wiedereinführung der lateinischen Messe und der Propagierung des weltweiten Alleinvertretungsanspruchs der katholischen Kirche.
    
W
enn Herr Ratzinger (man erlaube mir als Nichtmitglied diese bürgerliche Anrede) heuer jedoch die Kinderlosigkeit beklagt, ist das des Guten zu viel. Der atheistische Freigeist wittert Hypokrisie, wenn eine Kirche, die ihren eigenen Ordensmänner die Zeugung von Nachkommen verbietet und ihren Mitglieder jeden unkeuschen Gedanken bei Strafe untersagt, mehr Kinder fordert.
   
Rechnen wir einmal hoch. Allein die Liberalisierung des Zölibats bei geschätzten 100.000 Kirchenmännern nur in Deutschland und einem gleichzeitig fortgesetzten Verbot der Verhütung sowie Schwangerschaftsunterbrechung brächten bei zehn Kindern pro Familie praeter propter 1 Million neuer deutscher Staatsbürger im ersten Durchgang!
   
Für Herrn Ratzinger ist dieser Kinderzug zwar abgefahren, aber seine Kirchenmänner könnten nun ohne schlechtes Gewissen das tun, was sie immer schon gerne getan hätten, vermutlich auch stiekum mit überaus schlechtem Gewissen und interruptum immer schon getan haben, sich der Fleischlust hinzugeben nämlich.
   
Doch die Gier der Mutter Kirche, die das Zölibat einst aus ökonomischem Kalkül einführte, verhindert nun sowohl Lusterfüllung wie auch den Fortbestand des deutschen Staates.

Nun machen wir noch schnell eine dialektische Opfer-Täter-Umkehr und schwupps haben wir schon wieder Schuldbewusstsein bei unseren Schäflein erzeugt. Egoismus, lautet die Anklage.

Wie konnte es nur so weit kommen?

khh

15. Juli 07

Des Pudels wahrer Kern

Gestern habe ich gleich mal die Probe aufs Exempel gemacht. In froher Herrenrunde (alles Kirchensteuerzahler) warf ich das Thema "Zehn Gebote" auf. Ja, die seien wichtig als genereller Rahmen für Verhaltensorientierung.
 
Natürlich hatte ich die vergiftete Folgefrage längst im Köcher: Ich wollte wissen, wie denn die "Zehn Gebote" lauteten und gerne, wenn dann, auch in der richtigen Reihenfolge.

Ergebnis: Fünf Gebote waren erinnerlich, Reihenfolge chaotisch.
Die junge Kellerin outetet sich als Absolventin der katholischen Schule St. Johann und meinte sie habe "die drauf". Nach zwei Stunden mit Bedienungsintervallen konnte sie ein weiteres beisteuern (dafür aber auch jede Menge unsinnige Beiträge - wie die jungen Mädels so sind - und solchen, die zwar in der Bibel stehen, jedoch nicht in den Zehn Geboten). Gegen 22:00 h radelte sie dann des ungetrübt davon.

Meine Häme waberte großflächig auf der Ochtumterrasse: "Und Ihr behauptet, nach den "Zehn Geboten" zu leben, auch wenn die Euch gar nicht einmal erinnerlich sind?"

Ich bin sicher, dass heute morgen eifriges Quellenstudium statt gefunden hat.

http://www.bibel-online.net/buch/02.2-mose/20.html

khh

Ecclesia triumphans - Baum der Erkenntnis

Nachdem die katholische Kirche oder besser ihr Pontifex Ratzinger diese Woche beschlossen hat, dass Messen auch wieder auf Latein gelesen werden können, katapultiert sich die katholische Kirche wieder zurück ins Mittelalter und setzt sie einen jahrtausende alten Kurs fort.

   

Ratzinger selber hat damit keine Mühe,ist er doch wegen seines lupenreinen Lateins bekannt. Doch dass kaum einer seiner Schafe der lateinischen Messe folgen kann (Anteil der Lateinschüler am Gymnasium im einstelligen Bereich), macht nichts, denn Glaube hat ja nichts mit verstehen oder wissen zu tun. Im Gegenteil.

   

Die (katholische) Kirche hatte immer schon ein naturgemäßes Interesse daran gehabt, dass der Mensch nicht nach Erkenntnis strebt, weil er sonst den ganzen Sermon und die Mystik (der Vergleich mit Leistungen David Copperfields bietet sich an) möglicherweise als rituelle Inszenierung interessierter Kreise durchschauen könnte (eine Vielzahl aufklärerischer Texte, die bis Epikur zurückreichen, ist in den Bibliotheken des Vatikan verschwunden). Denn damit wäre es dann um die so mühevoll errungene Macht geschehen, die der Mutter Kirche doch so viele Vorteile bringt - weshalb sie übrigens auch um das Jahr 1100 herum das Zölibat einführte, damit der Kirchbesitz hübsch beieinander bleibe, nachdem man 1077 Heinrich IV. einen wichtigen Erfolg um den Einfluss im Staate abgerungen (Investiturstreit) hatte. Heinrich hatte den über ihn verhängten Papstbann unterschätzt und musste schließlich klein beigeben (das ist urbane Zeitgenossen in etwa vergleichbar mit einem Lokalverbot im beliebtesten Szenelokal).

   

Seither betreiben Staat und Kirche angelegentlich Ihrer Untertanen offensichtlich und erfolgreich eine Arbeitsteilung nach dem Motto: „Halt Du sie dumm, ich halte sie arm!“

   

Unwissenheit ist offenbar der beste Garant für das Gelingen jeglicher Religion:

„Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm issest, mußt du des Todes sterben.“ (Moses I,3)

Dass die katholische Glaubenskongreation zeitgleich verlauten ließ, wonach die Kirchen der Reformation keine "Kirchen im eigentlichen Sinne" seien, nimmt dann auch nicht weiter gegenreformatisch Wunder. Die Fundamentalisten (Pius X.) in der katholischen Kirche haben immer noch großen Einfluss auf den amtlichen Lauf der Welt. Am Vatikan kommt keiner vorbei. Auch George Bush nicht.

   

P. S.: Früher wäre ich übrigens wegen solcher Äußerungen vermutlich als "Ketzer" bzw. "Häresie" auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Das Elend ist unermesslich groß, das im Namen einer Kirche oder Glaubens historisch über die Menschheit gekommen ist! Vermutlich hat es mehr Tote im Namen des Glaubens gegegeben als in beiden Weltkriegen zusammen. Selbst George Bush hat sich selber zum "Gotteskrieger" bei den Einmärschen seiner Truppen in andere Länder erhoben. Und dabei geht es imemr nur um eines.

khh