Schwäbische Kleinstadt

27. August 08

Steiff

Noch mal twitter. Ja, auch wenn es langsam nervt. Tut es gar nicht, weil hier ein spannendes Beispiel für eine Neuigkeitenkette ist.

Don Dahlmann über twitter zu einem "neuen" (?) Produkt von Steiff:

Don_steiff



Und flugs mal auf den Link geklickt, und neben der highsnobiety-Seite und dem wirklich netten Lagerfeld-Teddy auch noch eine der abgefahrensten Seiten überhaupt entdeckt: colette. (Steiff gibt's dann auf den Flash-News).

Und was sagt die hier am Ort ansässige Company dazu? Nix. Das erstaunt mich wenig. Aber das lassen wir jetzt mal an dieser Stelle weg.

cdv!

21. August 08

Identifikation

Meine Erfahrungen sind so: Die Identifikation der Bürger hört definitiv an der Stadtgrenze auf. Wenn es sie überhaupt gibt.Und das Weiterdenken über den Tellerrand Dorf, Gemeinde oder Stadt ist selten anzutreffen. Eigentlich gar nicht.

Schlechte Karten für die, die in Regionen denken. Für die, die wissen, dass das Gebilde Stadt oder Gemeinde in der Europäischen Union und globalisierten Welt heute kaum mehr zählt.Für die, die sogar über Landkreisgrenzen denken (müssen); für die, die sich schon mal angeguckt haben, wie es in den nächsten Jahrzehnten auf der Weltkarte brodelt, was die Bevölkerungsentwicklung angeht. Von Demographie will ich hier gar nicht reden.

Dabei muß es doch gar nicht heißen, stolz auf die eigene Stadt zu sein. Es reicht doch. sich als Bürger der Stadt erkennen zu geben. Gutes, schlechtes Beispiel ist unsere Kleinstadt: Viele Ostälbler, die erklären wollen, wo denn Giengen an der Brenz auf der deutschen Landkarte zu finden ist, beginnen zu stammeln: Am Ende kommt etwas wie "zwischen Ulm und Stuttgart" heraus. Schade.

Giengen ist die Stadt der Steiff-Tiere, der Ziegler-Feuerwehrautos, der Bosch- und Siemens-Kühlschränke, der AWG-Feuerwehrarmaturen, der Briel-Staubtücher, der Alligator-Ventile, der Link-Orgel in der Stadtkirche, der Charlottenhöhle (eine der längsten Schauhöhlen in Süddeutschland), Giengen ist die Stadt, die einst sogar Barbarossa beherbergte. Dass er die Giengener der Panscherei bezichtigte, kann man ja mal so unter den Tisch fallen lassen.

Was sonst in vielen Kommunen noch funktioniert, fällt leider hier aus: Die Identifikation mit dem hiesigen Bier, der Brauerei. (Die Webseite scheint auch noch aus dem letzten Jahrtausend...) Da ist  unser Brauer leider von einem ganz anderen Schlag. Er braucht seine ganze Kraft und Energie, um die uralten Fahrzeuge und sein betagtes Mobiliar am Laufen und Leben zu halten. Die gute Marke aufzupeppen und mal in den Vordergrund zu stellen, fällt dabei leider flach. Und richtig berühmt ist das Bier halt auch nicht. Wie auch?

Dennoch wissen diejenigen, die über den Tellerrand hinaus denken (müssen), dass es zunehmend wichtiger wird, die Region mehr als die einzelnen Teile in den Vordergrund zu stellen. Und wenn es nur im Ansatz gelingen würde, die Identifikation mit der Stadt oder Gemeinde in einen Zusammenhang mit dieser Region zu  stellen, wäre es ein Riesenfortschritt.

Meine Erfahrung ist so: Das dauert Jahrzehnte. Bestimmt. Die Kommunalreform war ja auch erst Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrtausends.

cdv!

20. Juli 08

Kommunalpolitik

Wer, wenn nicht er, macht in einem Blogpost ein Fass auf, dass mich wirklich begeistert. Thema: Politblogs. Also Politiker, die nicht nur starre Internetseiten mit Jubelfotos und Pressemitteilungen vorhalten, sondern sogar mit ihren Wählern und potentiellen Wählern diskutieren. Im Internetz. Das Ergebnis bei Robert ist noch ernüchternd. Aber es ist eine Option.

Insbesondere für die Kommunalpolitik. Auch, und davon bin ich fest überzeugt, dies noch einige Jahre dauert, bis sich das sogenannte Web 2.0 in den Kommunen durchsetzen wird. Hier aber kann eine Diskussion stattfinden, die schon viel zu lange nicht mehr passiert. Auch hier sind es wieder die Lokalzeitungen, die es in den vergangenen Jahren versäumt haben, die Kommunalpolitik so attraktiv zu beschreiben, dass es die Bürger der Stadt oder Gemeinde interessiert.

Seit vielen Jahren vertrete ich die Devise, dass Politik "unten beginnt". Nur, wer die Demokratie vor der Haustür begreift, kann auch die Politik in Land, Bund und im Staatenbündnis Europa verstehen. Dass die wenigen, die das bisher begriffen haben, allesamt im Stadt- oder Gemeinderat sitzen, versteht sich fast von selbst. Viel zu häufig vertreten sie aber eigene Interessen, wenn sie nicht gar aus reiner Eitelkeit dort ihre Bühne sehen. Es sind die, die die Sprechblasen der "großen Politik" einfach auf der untersten Ebene wiederholen. Langweilig.

Was passiert aber, wenn sich mit Hilfe der Technik die Bürger austauschen, hier die Diskussionen darüber stattfinden, wie eine Stadt gestaltet werden kann. Bürgerbeteiligung von zu Hause aus, von mir aus. Dass dies in geordneten Strukturen stattfinden muß, ist mir klar. Vor Jahren präsentierte unser Oberbürgermeister ein Internet-Forum, dass er nach übelsten Schlammschlachten nur wenige Monate später wieder schließen liess. Man hatte den Aufwand unterschätzt. Und gleichzeitig mit der Schliessung eine Chance begraben, die dieses Forum (heute vielleicht eher ein Blog) hätte bieten können.(Dass der OB noch heute darob den Kopf schüttelt, belustigt mich.)

Ich bin sehr gespannt, ob die arg gebeutelten Parteien alter Ordnung (eigentlich doch alle, oder?) sich nunmehr auf Geheiß ihrer Berater auf dieses neue Instrument Blog stürzen werden. Ich bin besonders gespannt, wann denn die Herren und Damen Gemeinde- oder Stadträte dies für sich nutzen wollen. Denn sie, die ja immer behaupten, ganz nah dran zu sein, sind oft schon ganz schön weit weg.

Wenn ja, wird genau das passieren, was allen Blogs passiert. Sie werden nur wahrgenommen, wenn sie gut sind.

Na, ob das funktionieren wird?!

cdv!

update: Nico Lumma macht sich da auch seine Gedanken. Überzeugt damit aber auch nicht wirklich.

26. Juni 08

Schaufenster

So viele sind es glücklicherweise nicht. Aber es nervt dennoch. Die sogenannten "Leerstände" in der Innenstadt. Leider bleiben auch wir nicht verschont, wenn der ein oder andere Inhaber seine Türen für immer schließt. Die üblich verdächtigen Filalisten haben wir schon alle, und so steht dann doch das ein oder andere Geschäft leer. Und wird mit der Zeit immer öder und trister.

Leider schaffen es auch die Besitzer in den meisten Fällen nicht, diese Immobilien so attraktiv zu gestalten, dass der ein oder andere Interessent über diesen Standort nachdenkt. Im Gegenteil: Da werden die Schaufenster mit üblem Papier zugeklebt, und es wird eine Handynummer angegeben. Wenn überhaupt.

Leider hat sich dann das Projekt "Art-Hopping" bei uns auch nicht so entwickelt, dass es eine Freude macht. Von der "Kunst" in oder an den Schaufenstern mal ganz zu schweigen - ja, schweigen wir lieber dazu.

Die beste Idee, das in den Griff zu bekommen, war vor Jahren die der sogenannten "Pop-up-Stores". Geschäfte, die für vier Wochen aufmachen, und dann ist gut. Von Gastro über Geschenke, bis hin zum Sandhaufen für die Kinder. Wer mich kennt, weiß von den Ideen, die da raussprudeln können. Die Erfahrungen, die damit gemacht wurden, waren ausnahmslos gut. Nach wenigen Pop-up-Nutzungen konnten viele der Immobilien schon wieder vermietet werden.

Hat noch jemand eine Idee?

cdv!

12. Juni 08

Ehrenamt

Wir werden immer weniger. Wer die Aktiven in unseren Reihen zählt, braucht kaum mehr als fünf Finger. Dann ist schon fast Ende. Nur vereinzelt hebt sich für das ein oder andere Projekt noch mal die Hand, um sich den Hut aufzusetzen. Und das ist nicht allein in unserem Gewerbe- und Handelsverein so. Auch andere klagen.

Wobei die Klage immer recht schnell geführt wird. Viel zu selten ist der Gedanke: Wie ändern?

Der rührige und emsige Berater Reinhard Skusa, jahrelang in Aalen als City-Manager unterwegs, gab mir einst eine Antwort, die ich durchaus richtig finde: Nutzen stiften. Viel zu häufig wird nicht deutlich und klar, welche Aufgabe ein Verein oder eine ehrenamtliche Organisation hat. Skusa fordert auf, auch für den eigenen Verein Ziele zu setzen. Recht hat er.

Meine Ergänzung: Besser werden. Strukturen straffen, Unnützes über Bord werfen, professioneller arbeiten. Das stundenlange Diskutieren in Hinterzimmern als Ersatz für die große Politik ist dabei wenig geeignet, andere für die Mitarbeit zu interessieren. Die Kombination von Nutzen und effizienter und effektiver Arbeit sollte Ergebnisse zeitigen, die sichtbar sind.

So leicht daher gesagt. Denn so einfach lassen sich die jahrelang praktizierten Gewohnheiten nicht ändern. Und wer zuweilen hinter die Kulissen so manchen kleinen Betriebes schaut, ist schnell erschrocken über die Methoden, mit denen dort noch gearbeitet wird. Und nur wenige sind bereit, sich ständig verbessern zu wollen.

Das aber ist für alles die Voraussetzung.

cdv!

10. Juni 08

Strukturen

Qualifiziert mitreden kann nur der, der auch Bescheid weiß. Diese Binsenweisheit gilt nicht nur in Unternehmen, sondern auch in ehrenamtlichen Strukturen. Und je differenzierter die Organisation, um so schwieriger die Kommunikation.

Grundsätzlich gilt, dass die Informationen für alle Beteiligten zu jeder Zeit zur Verfügung stehen müssen. Etwa: Fax an alle, einordnen und abheften, Ordner immer dabei haben. Oder: Info per E-Mail, ausdrucken, einordnen und abheften, Ordner immer dabei haben.

Oder: Blog einrichten, Berechtigungen verteilen, posten, gut. Nun, wir werden das einmal versuchen. Was nun nicht bedeutet, dass es gelesen wird. Mit einem Wiki tue ich mich gerade etwas schwer, es ist mir noch zu unübersichtlich. Aber ich werde weiter daran arbeiten.

Dabei muß ich schmunzeln: Ich sehe gerade die Ausschußmitglieder unseres Gewerbe- und Handelsvereins mit ihren aufgeklappten Laptops vor meinen Augen.

cdv!

02. Juni 08

Geschafft

Den wichtigsten Teil haben wir geschafft. Etwa 5000 bis 10.000 Besucher an zwei Tagen. Die "Bärenstarken Giengen-Tage 2008" sind jetzt Geschichte. Was übrig bleibt? Für die etwa 50 Teilnehmer hoffentlich gute Geschäfte in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten. Für mich, dass man nun etwas besser weiß, mit wem man gut "zusammen schaffen" kann.

Will heute noch etliche Fotos bei FlickR hochladen. Link folgt.

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Morgen am Dienstag müssen wir das Zelt wieder abbauen. Wer also Lust zum Mitmachen hat, kann sich hier über die Kommentare gern melden.

cdv!

27. Mai 08

Leistungsschau

Beginnen wir einfach damit, dass es jetzt ernst wird. Noch sind es drei Tage, bis unsere Leistungsschau des Gewerbe- und Handelsvereins am Samstag startet. "Bärenstarke Giengen-Tage"

Was das ist? Nun ja, eine Ausstellung der heimischen Betriebe. Damit es noch besser wird, haben wir die Unternehmen, die sonst in der Innenstadt beheimatet sind, in ein Zelt gepackt. Drumherum sind im Gewerbegebiet jede Menge Betriebe, die am Samstag und Sonntag ausstellen werden. Insgesamt 50 an der Zahl. Vom Zimmereibetrieb über den Stukkateur und die Druckerei bis hin zu den Fahrzeughändlern, die ohnehin schon konzentriert in diesem Gebiet zu finden sind.

Mit den ersten Vorbereitungen haben wir im November des letzten Jahres begonnen. Und ich mag niemandem erzählen, wie aufwändig es ist, die Unternehmer unserer Kleinstadt von der Notwendigkeit der Präsenz zu überzeugen. Nur so viel: Die einfachsten Kandidaten brauchten etwa drei Ansprachen. Da waren mir die mit der ruppigen Absage fast schon lieber.

Ich mag auch gar nicht mehr lästern, wenn ich den Spruch "Mensch, habe ich noch gar nicht mitbekommen..." höre. Mittlerweile sind wir auch Papst. Während ich die Zahl der Anschreiben und Ansprachen  zähle, höre ich dann immer wieder: "Bringt doch sowieso nichts". Klagen über schlechte Geschäfte werden von mir aber nicht mehr entgegengenommen. Die Formulare dafür sind aus.

Dass sich die letzten immer noch nicht entschieden haben, sage ich hier gar nicht mehr. Geschweige von denen, denen es jetzt einfällt die Teilnahme abzusagen. Eine Woche vor Beginn. Kein Kommentar. Ich denke mir mein Teil.

Wir verschweigen einfach auch, dass es dann noch ordentliche Rivalitäten gab. Und immer noch gibt. Motto: Wenn der, dann ich nicht. Oder umgekehrt. Kenne ich aus dem Kindergarten. Hat mich also wenig überrascht.

Wir wollen nun auch nicht mehr erwähnen, dass es dann noch leichte protokollarische Schwierigkeiten gibt. An den Definitionen von "Entwurf" und "Einladung" arbeite ich noch. Es geht mir nicht leicht von der Hand, das gebe ich zu.

Jetzt wird es ernst. Morgen am Mittwoch stellen wir nämlich das Zelt auf. Das ist nicht so klein, genau: 25 x 30 Meter groß. Das braucht eine Menge Leute, wie ich heute gelernt habe. Und dann zeigt sich schnell, wer Freund oder Feind ist. Und da wir jetzt nicht genügend Leute sind, muß der Bleistiftschubser morgen auch mit ran.Geht klar!

Wenn wir dann in den nächsten Tagen noch die Hausaufgaben für den Gastronomen gemacht haben, alle Befindlichkeiten berücksichtigt haben, die letzten Wegweiser aufgestellt haben, und dann die Eröffnung über die Bühne gebracht haben, dann kann's eigentlich losgehen.

Zwei Tage lang haben alle teilnehmenden Betriebe die Chance neue Kunden für sich zu gewinnen, sie von ihren Leistungen zu überzeugen. Ach ja, da war ja noch etwas.

Und: Nächstes Jahr wollen wir in unserer Kleinstadt wieder den Reichsstadtmarkt veranstalten. Klaus, der emsige Zimmerer, und ich gucken gern zu.

cdv!

05. Mai 08

Satt

Heutzutage eine erkleckliche Ansammlung von lokalen Betrieben für eine sogenannte "Leistungsschau" zusammen zu trommeln, ist wahrlich schlimmer als Flöhe hüten. Die springen nur, und meckern nicht. Und sie versuchen keine Erpressung, wie etwa der Malermeister, der nur dabei sein will, wenn er den und den Kollegen mitbringt. Na, die sind aber nicht aus dem Ort, das ist gegen die Regel. Macht nichts, sagt er. Wenn ihr uns nicht wollt, dann mache ich einfach nicht mit. Die Regeln sind mir egal. Es geht nur noch um das Überleben. Klasse, sage ich.

Ich freue mich für den Kollegen Malermeister, der mir ins Gesicht sagt, dass es nur noch mit dem Kopf durch die Wand geht. Und dem es hoffentlich so gut geht, dass er es auf absehbare Zeit nicht braucht, sich seinen potenziellen Kunden zu zeigen. Ich freue mich, dass er so satt ist, dass er nicht mehr jagen muss.

Und ich werde keine Träne heulen, wenn er gefressen wird. Es geht nämlich nur noch ums Überleben.

cdv!

PS: Liebes Tagebuch, wenn ich Dich nicht hätte...

24. April 08

Blank

Im kleinen Organisationsteam für die "Bärenstarken Giengen-Tage" liegen derzeit die Nerven etwas blank. Nach mehreren aktuellen Absagen haben wir immer noch nicht genug Aussteller. Mittlerweile weiß ich auch nicht mehr, was ich sagen soll, wenn mir einer bedeutet, dass das alles viel zu viel Aufwand ist.

Ah, vielleicht: Dann machen wir die Stadt einfach zu.

Mann, mann, mann, so kann es doch nicht gehen.

Eine Erkenntnis noch: Zwei Leute, die das ehrenamtlich machen, reichen einfach nicht aus, um das Projekt zu stemmen. Nebenher ist ja auch noch Arbeit angesagt. Und die ist gerade auch nicht knapp.

cdv!