Wenn man dem Wettergott nachsagt, dass er dem Giengener Kinderfest immer wohlgesonnen sei, so muss man ihm heute wohl vorwerfen, dass er es mit dem Hohenmemminger Kinderfest dieses Jahr wohl etwas zu gut meinte. Bei Temperaturen um die 35 Grad und mehr feierten die Kindergarten- und Grundschulkinder aus Hohenmemmingen in der prallen Sonne ein schweißtreibendes Fest, welches insbesondere für die kleinsten Teilnehmer teilweise sichtlich belastend war.
Konnte der Einstieg mit dem ökumenischen Gottesdienst für die Grundschulkinder in der ev. Kirche noch im Kühlen stattfinden, so galt ab Beginn des Umzuges auf der glühenden Straße nur noch das Motto "Augen zu und durch". Angeführt vom Musikverein Burgberg, die wie immer mit professionellen Klängen den festlichen Rahmen bestritt, ging es, begleitet von wassertragenden Familienangehörigen zum Sportplatz auf dem Schelmenberg.
Nach gemeinsamen Liedern, dieses Jahr zum letzten Mal angeleitet von Frau Marie-Luise Guggenberger, ging es nach einer den Temperaturen dankenswerterweise angepassten, kurzen Rede von OB Gerrit Elser mit Sing- und Tanzeinlagen der Kindergartenkinder, dem beliebten Preistanzen und den obligatorischen, schweißtreibenden Wettkämpfen der Grundschüler um die Mittagszeit ab unter die kühlenden Bäume am RSV-Vereinsheim.
Ein gemütliches Beisammensein, unter der wie immer bewährten Bewirtung des RSV und der Landfrauen, sowie einer Spielstraße mit tollen Gewinnen ließen den Nachmittag dann gemütlich ausklingen, bis um 15 Uhr dann eine gewisse Landflucht ersichtlich war, die wohl dem nahenden WM-Spiel Deutschland - Argentinien zu verdanken war.
Alles in allem ein schöner, aber zu heisser Tag.
Nichtsdestotrotz noch ein paar Anmerkungen, die mir, als teilnehmender Vater im letzten Jahr, bei der Veranstaltung durch den Kopf gingen:
Im Vorfeld des Kinderfestes wurde in einem Elternbrief der Grundschule angemerkt, dass die Kinderfeste auf ein immer geringer werdendes Interesse stoßen. Mir persönlich haben schon immer die kleineren Kinderfeste in den Teilorten weitaus besser gefallen als das Giengener Kinderfest, welches schon lange in "historisches Jahrgangstreffen mit unterhaltenden Einlagen der Schulkinder" umbenannt gehört.
Offensichtlich ist aber aus meiner Sicht, dass die Kinderfeste, nicht nur in Hohenmemmingen, unter dem immer gleichen Ablauf leiden, der spätestens in der 3. Grundschulklasse den meisten Kindern einfach zu langweilig und blöd ist. Kirche, Umzug, Sing- und Tanzspiele, Wettlaufen, Spielstraße, Hocketse ... fertig. Nächstes Jahr das gleiche von vorn. Mag sein dass man mit sowas den Kindern vor 50 Jahren noch kommen konnte, aber die Zeiten sind doch eigentlich schon lange vorbei. Natürlich kann man das ganze unter der traditionellen Sichtweise sehen (war schon immer so), aber vielleicht könnte man sich doch mal überlegen, ob man den Ablauf nicht jedes Jahr ein wenig variieren könnte, oder die Kinder auch anderweitig einbinden könnte.
Warum nicht mal eine Open-Air-Predigt unter den (schattigen) Bäumen auf dem Schelmenberg?
Warum das Kinderfest nicht mal als abendliche Veranstaltung mit Lampions oder Fackeln?
Warum werden die Grundschulkinder nicht mehr im schulischen Vorfeld gestalterisch eingebunden (Plakate, Tischschmuck, Luftballonketten ...)?
Warum statt den ewig gleichen Lauf- und Hüpfspielen nicht mal kleine Mannschaftsspiele, gerne auch mit einem Elternteil als Partner?
Nichts gegen Blaskapellen, aber warum nicht mal als Alternative eine (Schul-)Band mit jugendlicherer Musik?
Warum nicht mal im Vorfeld eine Umfrage bei den Kindern, wie dieses sich ihren Tag vorstellen?
...
Und vor allen Dingen, bei so einem Wetter vielleicht auch mal improvisieren und die Kindervorführungen unter die Bäume verlegen. Mit gemeinsamen Kräften sind die Biertische und Bänke hinterher schnell wieder aufgestellt.
Vielleicht gibt es ja hier den einen oder anderen Leser, der auch noch Ideen für künftige Kinderfeste hat. Klar ist, dass diese kostenneutral sein sollten, aber ich denke da gibt es noch genug Ideen, auf die ich noch nicht gekommen bin.
tp
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